Der Kampf ums nackte Überleben – Sexarbeit in der Pandemie

Zahlreiche Berufsfelder leiden unter der Corona-Pandemie. Die Sexarbeit ist davon nicht ausgenommen – ganz im Gegenteil. Arbeits- und Obdachlosigkeit stehen an der Tagesordnung. Die staatlich versprochenen Hilfeleistungen sind dabei jedoch alles andere als das Licht am Ende des Tunnels. 

LEERE VERSPRECHEN

 „Anspruch auf die Unterstützung haben Ein-Personen-Unternehmen (darunter fallen auch selbständige Pflegerinnen und Pfleger), Kleinstunternehmen mit bis zu 9 Mitarbeitern, neue Selbständige und freie Dienstnehmer. […] Dadurch sollen durch die Krise ausgelöste Härtefalle rasch abgefedert werden.“

Das kann man auf der Website des Finanzministeriums bezüglich der Corona-Härtefallfonds nachlesen. Was natürlich nicht erwähnt wird, ist, dass es für Sexarbeiter*innen keineswegs so einfach ist, diese Hilfestellung zu erhalten. Obwohl sie zur Kategorie der neuen Selbstständigen gehören, sind sie mit zahlreichen Hürden konfrontiert. 

Die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus haben viele Berufstätige in eine prekäre Lage gebracht, das wissen wir. Der Bereich, über den jedoch kaum gesprochen wird, ist jener der Sexarbeit. Im Mai 2020 wurde die Ausübung und Inanspruchnahme sexueller Dienstleistungen verboten – ein Verbot, das bis 1. Juli 2021 aufrecht blieb. Über ein Jahr lang wurde Sexarbeiter*innen somit ihre (finanzielle) Lebensgrundlage genommen und in der Hoffnung auf Kompensation durch Corona-Härtefallfonds schauen viele von ihnen durch die Finger. 

HÄRTEFALLFONDS – FÜR WEN SIND SIE DA?

Eine grundlegende Voraussetzung, um Unterstützung in Phase I der Hilfsfonds zu beantragen, ist eine Pflichtversicherung in der Krankenversicherung, die viele Sexarbeiter*innen jedoch nicht haben. Die meisten von ihnen verfügen über eine sogenannte Opting In bzw. freiwillige Versicherung, die in diesem Fall aber nicht ausreicht. Weiters war es in Phase I notwendig, die Kennziffer des Unternehmensregisters bzw. die Global Location Number anzugeben, welche die meisten Sexarbeiter*innen jedoch nicht besitzen. Erst in Phase II wurden sie mit Selbstständigen gleichgesetzt, wodurch die Angabe der Steuer- und Sozialversicherungsnummer ausreichte.

Der nächste Dämpfer lässt leider nicht lange auf sich warten, denn um den Antrag auf Unterstützung zu stellen, muss eine österreichische Kontonummer angegeben werden. In 80-90% der Fälle handelt es sich aber um Betroffene mit Migrationshintergrund, die über kein Konto in Österreich verfügen. Nicht selten steckt hier Diskriminierung durch Banken dahinter, die Sexarbeiter*Innen die Eröffnung eines Kontos verweigern. Dies zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, gegen die Tabuisierung der Sexarbeit und die damit verbundenen Vorurteile vorzugehen und dieses Thema aus der Ecke des Schmutzigen und Unanständigen hervorzuholen. In diesem Blogartikel werden die gängigsten Mythen rund um das Thema aufgedeckt.

WEITERMACHEN – ZU WELCHEM PREIS?

Viele Sexarbeiter*innen sind aufgrund der Pandemie aber nicht nur arbeits- sondern auch obdachlos. Mit der Schließung der Bordelle wurde ihnen auch die Unterkunft genommen. Und woher nun das Geld für eine neue Bleibe bekommen? 

Häufig lautete die Antwort: Weitermachen, auch wenn es illegal ist. In Wien wurden dafür vermehrt Airbnbs oder Ferienwohnungen angemietet, wie Wolfgang Langer, Chef des Referats für Prostitutionsangelegenheiten, dem Kurier verrät. Allein im Jahr 2020 wurden diesbezüglich 400 Anzeigen gemeldet. Dieser heimliche Weiterbetrieb ist jedoch nicht nur illegal, sondern auch immens riskant, da Sexarbeitende somit völlig auf sich allein gestellt sind. Mehr zu den Auswirkungen der Bordellschließungen und der Pandemie allgemein auf die Bedingungen des Menschenhandels könnt ihr hier nachlesen. 

CoVid-19 verstärkt auch die soziale Ausgrenzung von Sexarbeiter*innen, indem sie als Superspreader, ja geradezu als Infektionsherde abgestempelt werden. Dass es in Bordellen bisher zu keinen Clustern gekommen ist, wird ignoriert. Soziale Isolation, gepaart mit existenziellen Ängsten ergibt eine immense psychische Belastung, der Sexarbeitende zunehmend ausgesetzt sind.

Natürlich ist es gut, dass es die Corona-Härtefallfonds gibt und wir können uns glücklich schätzen, in einem Land zu leben, dass uns diese Unterstützung bieten kann. Nur ist es wichtig, dass die finanziellen Mittel auch die erreichen, die sie benötigen. Die Sexarbeit ist wie kaum eine andere Branche von den Auswirkungen der Pandemie betroffen. Wieder einmal sind es Vorurteile und systematische Ausgrenzung, die die prekäre Lage von Sexarbeiter*innen zuspitzen. Wir von HOPE FOR THE FUTURE möchten dem entgegenwirken und eure Unterstützung ermöglicht es uns, Aufklärungsarbeit zu leisten

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