Wie wirkt sich die Corona Pandemie auf die Bedingungen des Menschenhandels aus?

Die Corona-Pandemie löste nicht nur in Österreich eine Welle der Arbeitslosigkeit aus. Vor allem Länder, die stark vom Tourismus abhängen haben, schwere wirtschaftliche Schäden genommen. Während hier versucht wird staatliche finanzielle Hilfe in vielen Branchen zu leisten, sieht die Lage in anderen Teilen Europas und der Welt deutlich schlimmer aus. In Ländern ohne funktionierendes Sozialsystem wird Menschen mit dem Verlust der Arbeit jegliche Existenzgrundlage genommen. Die Massenarbeitslosigkeit in vielen Ländern verstärkt den Druck am Arbeitsmarkt enorm. Menschen sind so gezwungen auch Jobs anzunehmen, denen sie unter normalen Umständen nicht nachgegangen wären.

Die Gefahr in ein Ausbeutungsverhältnis zu geraten oder dem Menschenhandel zum Opfer zu fallen steigt.

KINDER SIND EINEM HOHEN RISIKO AUSGESETZT, LANGFRISTIGEN SCHADEN ZU NEHMEN.

Reicht das Gehalt der Eltern nicht zum Leben, müssen auch die Kinder mitarbeiten und können nicht mehr zur Schule gehen. Dies kann negative Konsequenzen auf die ganze nachfolgende Generation haben. Bereits während der Schulschließungen vor 5 Jahren in Westafrika wegen der Ebola-Epidemie, konnte ein Anstieg an Kinderarbeit, sexuellem Missbrauch und Schwangerschaften von Minderjährigen beobachtet werden. Experten gehen davon aus, dass auch nach der Corona-Pandemie viele Kinder nicht zurück in die Schule gehen können, da die wirtschaftlichen Folgen noch lange zu spüren sind. Bildung ist jedoch ein sehr wichtiger Faktor bei der Prävention von Menschenhandel und Arbeitsausbeutung.

DIE KRISE ZEIGT DEUTLICH, WIE HOCH DER ANTEIL AUSLÄNDISCHER ARBEITER*INNEN IN VIELEN BRANCHEN IST.

 Die Auswirkungen der Pandemie auf den Niedriglohnsektor waren auch für viele Österreicher*innen zu spüren. Durch Grenzschließungen fehlten im Frühjahr tausende von Erntehelfer*innen, Pflegekräften und Mitarbeiter*innen in der Schlacht-Industrie. Das sind auch genau die Branchen, von denen immer wieder Fälle von Arbeitsausbeutung bekannt werden. Diese Jobs mit schlechter Bezahlung, langen Arbeitszeiten, schwerer körperlicher Arbeit und oft schlechtem Gesundheitsschutz sind für Inländer*innen unattraktiv. Die österreichische Finanzpolizei  wies auf eine „erschreckend hohe Anzahl“ von Lohndumping bei ausländischen Arbeiter*innen hin. Bei den vom AMS zur Verfügung gestellten Zahlungen an Unternehmen für die Ausfallstunden durch Kurzarbeit kam es zu Missbrauchsfällen. Beispielsweise wurden Mitarbeiter*innen offiziell auf 90 Prozent Kurzarbeit gesetzt, mussten aber normal im vollen Ausmaß weiterarbeiten.

 Es kam vor allem in Schlachtbetrieben immer wieder zu Corona-Ausbrüchen. Die größten deutschen Betriebe und auch einige in Österreich mussten geschlossen werden. Zoonotische Erkrankungen sind im Zusammenhang mit der Ausbeutung von Tieren eine bekannte Gefahr in der Schlacht-Industrie, die Covid19-Pandemie ist ein weiterer Fall, der diese Industrien grundsätzlich infrage stellt. Die Arbeiter*innen in diesem Bereich werden unzureichend geschützt. Das Problem liegt in einer Kombination aus den Arbeitsbedingungen und der Unterbringung der Gastarbeiter*innen. Wer 60 Stunden in der Woche hart körperlich bei kühl-feuchtem Raumklima in den Schlachthallen arbeitet, hat oft schon ein geschwächtes Immunsystem und nicht die beste körperliche Verfassung. Zoonotische Erreger sind tägliche Begleiter dieser Industrie. Die Leiharbeiter*innen werden außerdem meist in Massenunterkünften untergebracht. In Mehrbettzimmern zwischen Stockbetten ohne Mindestabstand und heruntergekommenen sanitären Einrichtungen konnte sich das Covid19-Virus ungehindert ausbreiten.

Die breite Bevölkerung sah in den Medien zum ersten Mal unter welchen unwürdigen Bedingungen die osteuropäischen Leiharbeiter*innen über Wochen und Monate hausen müssen. Die Betroffenen nehmen sonst nur wenig am öffentlichen Leben teil und werden kaum beachtet. Nun wiesen jedoch vermehrt die populären Medien auf die Missstände hin. Es bleibt abzuwarten, ob das nur ein Moment der Aufmerksamkeit war, oder ob sich die Arbeitsbedingungen nachhaltig verbessern

MENSCHEN IN DER PROSTITUTION LITTEN AN DEN SCHLIESSUNGEN DER BORDELLE

Auch Frauen und Männer in der Prostitution waren direkt von den Auswirkungen betroffen. Die teilweise Schließung der Etablissements traf sie hart. Sie verloren nicht nur ihr Einkommen, sondern oft auch ihre Unterkunft. Zur Selbsterhaltung werden sie so gezwungen in die Illegalität abzutauchen, weitere Gefahren einzugehen und ihren Schutz aufzugeben. Wohnungsbesuche oder Leistungserbringung auf der Straße stellen die Betroffenen in eine schutzlose Position. Ohne jegliche Reglementierung und schützenden Personen werden die Betroffenen einem höheren Risiko ausgesetzt. Misshandelt, vergewaltigt oder auch mit dem Corona-Virus infiziert zu werden.

Wir verstehen, dass viele politische Maßnahmen im Frühjahr schnell getroffen werden mussten, um einer Verbreitung des Corona-Virus entgegenzuwirken. Es muss nun trotzdem kritisch hinterfragt werden, wie man Menschen vor Arbeitsausbeutung und Menschenhandel in der zweiten Welle der Pandemie besser schützen kann. Die Krise zeigt wie wichtig es ist Betroffenen von Ausbeutung in Österreich zu helfen eine alternative Perspektive zu finden. Die Arbeit von HOPE FOR THE FUTURE ist wichtiger denn je, doch auch wir sind auf Unterstützung angewiesen um Aussteiger*innen auch während und nach der Krise helfen zu können.

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