Sweatshops: Darum sollest du keine Fast Fashion kaufen

Viele Menschen verstehen den Begriff Sweatshop synonym für die auf Ausbeutung fußende Herstellung von Kleidung. Wir schauen uns das Thema heute etwas genauer an und zeigen auf, was du als Konsument dagegen tun kannst.

WAS IST EIGENTLICH EIN SWEATSHOP?

Bei einem Sweatshop handelt es sich um eine Produktionseinrichtung, in der die Angestellten unter menschenverachtenden Bedingungen arbeiten müssen und dafür ein lächerlich geringes Gehalt beziehen. Überdurchschnittlich viele Arbeitsstunden sowie die Missachtung von Menschenrechten stehen in Sweatshops an der Tagesordnung. Die meisten Beschäftigten haben zudem keinen Anspruch auf Urlaub. Geltende Arbeitsgesetze werden von Arbeitgebern bewusst mit Füßen getreten, weil sie wissen, dass ihnen keine Konsequenzen drohen.

WARUM IST ES SO SCHLIMM, IN EINEM SWEATSHOP ZU ARBEITEN?

Am häufigsten fällt dieser Begriff im Zusammenhang der Modebranche. Namhafte Marken aus dem mittleren und oberen Preissektor – darunter auch europäische Marken – kaufen gezielt alte Fabriksgebäude auf, um daraus Sweatshops zu machen. Da die Gebäude häufig baufällig sind, sind sie kein sicherer Arbeitsplatz. Immer wieder kommt es deshalb zu schrecklichen Unfällen wie Bränden oder Einstürzen. Bestimmt ist dir Rana Plaza ein Begriff. Im April 2013 stürzte in Bangladesch dieser achtstöckige Fabrikkomplex ein und begrub tausende Menschen unter sich. Mehr als eintausend Arbeiter verloren dabei ihr leben. Obgleich der mediale und gesellschaftliche Aufschrei weltweit hörbar war, hat sich an der Realität der Bangladeschi nicht viel geändert.

Zu finden sind solche Produktionsstätten nicht nur in Entwicklungsländern, sondern auch direkt vor unserer Haustür. Etwa 2,3 Millionen Frauen und Männer aus Süd- und Osteuropa verdienen sich ihren Lohn in Modefabriken. Überstunden zum Trotz verdient der Großteil von ihnen gerade einmal 89 Euro netto pro Monat. Da Gewerkschaften innerhalb der Produktionsländer meist nur schwach ausgeprägt sind, können sie kaum Einfluss nehmen, indem sie zum Beispiel Tarifverhandlungen durchführen. Üblicherweise sind die Mitarbeiter giftigen Substanzen ausgeliefert oder müssen gefährliche Maschinen bedienen, ohne adäquat ausgerüstet zu sein.

WAS WIRD IN EUROPA GEGEN SWEATSHOPS GETAN?

In der Theorie existiert ein EU-weites Arbeitsrecht, das nicht nur menschenwürdige Arbeitsbedingungen, sondern auch gerechte Löhne garantieren soll – und damit Mindeststandards etablieren soll. Es obliegt allerdings den einzelnen Mitgliedsstaaten, dieses Arbeitsrecht auch durchzusetzen. Auch hierzulande funktioniert das in manchen Bereichen überhaupt nicht.

Als vagen Versuch, das Problem mit den Sweatshops zumindest im weitesten Sinne einzudämmen, kann man eines der wirtschaftlichen Kernziele der Europa-2020-Strategie interpretieren: Die Anzahl der armutsgefährdeten Menschen um 20 Millionen zu reduzieren. Das würde theoretisch auch auf jene Menschen abzielen, die in Sweatshops täglich für einen Hungerlohn schuften. Konkrete Ansätze, wie das ein angemessener Lohn und angenehme Arbeitsbedingungen umgesetzt werden können, bleibt die EU allerdings schuldig.

Die vorrangig in den USA, Australien, Neuseeland und Großbritannien aktive Anti-Sweatshop-Bewegung ist eine der namhaftesten Initiativen in diesem Bereich. Sie mobilisiert für faire Löhne und bessere Arbeitsbedingungen. Bis dato konnte die Organisation aber nur mäßige Erfolge verzeichnen. Auf dem europäischen Festland gibt es derweil noch keine Organisierung dieser Größenordnung.

VIER WEGE, WIE DU NACHHALTIGER WERDEN KANNST

Als Konsument bist du vielleicht nicht allmächtig. Was du kaufst und welche Marken du langfristig unterstützt, macht trotzdem einen Unterschied. 

  1. Mach dich schlau! Wirf einen Blick in den Firmencheck der Clean Clothes Campaign. Darin kannst du nachlesen, welche Unternehmen ihren Arbeitern faire Löhne zahlen. Einen ebenso guten Überblick erhältst du über den FashionChecker.
  2. Unterstütze faire Labels! Bei diesen 10 Fair Fashion Labels kannst du ohne schlechtes Gewissen einkaufen. Und ja, wir wissen: Fair Fashion ist teilweise viel teurer als Fast Fashion und nicht für jeden erschwinglich. Wenns die Geldtasche aber hergibt, warum dann nicht auf Unternehmen ausweichen, die ihre Arbeiter wie Menschen behandeln.
  3. Secondhand ist das Zauberwort! Für den kleinen Geldbeutel eignen sich Secondhand Shops, Flohmärkte oder Apps wie Vinted. Und auch wenn sich auch hier Produkte von Fast Fashion Herstellern finden, ist es immer noch nachhaltiger, sie gebraucht zu kaufen.
  4. Kleidung spenden! Du bringst wieder mal Ordnung in deinen Kleiderschrank? Dann bring jene Kleidungsstücke, die dir nicht mehr gefallen, zu einer Sammelstelle, um sie zu spenden. Auf diesem Weg gelangen sie als Secondhand Ware über (karikative) Einrichtungen zu neuen Besitzern.
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