Moderne Sklaverei in der Modeindustrie

Hast du schon mal genauer darüber nachgedacht woher deine Pullover im Schrank kommen? Vielleicht ist dir schon einmal ein kleines Schild „Made in India“ oder „Made in Bangladesch“ aufgefallen. Die großen Modeketten produzieren fast ausschließlich in Asien. Die Schnäppchen in den Läden, die uns freuen, haben jedoch eine traurige Schattenseite.

MADE IN BANGLADESCH

2013 kam es zu einem großen Unglück. 1.138 Menschen starben unmittelbar beim Einsturz einer großen Näherei in Bangladesch. Weltweit leiden täglich Millionen Menschen unter den Arbeitsbedingungen in der Modeindustrie. Der Mindestlohn in Bangladesch liegt zum Beispiel gerade einmal bei 85€ pro Monat. Doch davon lässt sich kaum leben und schon gar keine Familie ernähren. Von einem Marken-Shirt kommt ca. 0,6 % bei der Näherin an, von einem T-Shirt für 20€ also nur 12 Cent.

Die Arbeiterinnen müssen viele Überstunden machen. Gewerkschaften oder andere Interessenvertretungen gibt es nicht. Bei Widerstand gegen die schlechten Arbeitsbedingungen werde sie entlassen. Ein Großteil der NäherInnen sind Frauen, meist mit geringer Bildung aus kleinen Dörfern. Die drohende Armut lässt ihnen keine andere Wahl, als in den Fabriken 12 Stunden am Tag ohne Urlaub oder Wochenende unter diesen ausbeuterischen Bedingungen zu arbeiten.

Die Strategie der europäischen Modeunternehmen ist der Ausbau nicht nachvollziehbarer Lieferketten. Ein Etikett „Made in Bulgaria“ beispielsweise bedeutet nur, dass das Kleidungsstück im letzten Produktionsschritt in Bulgarien war. Auch wenn dort nur der letzte Knopf angenäht, das Hemd aber sonst in Asien gefertigt wurde. Durch viele Produktionsschritte an verschiedenen Orten ist am Ende kaum noch nachvollziehbar welches Unternehmen wo und unter welchen Arbeitsbedingungen produziert hat. So war es auch beim Fabrikeinsturz in Bangladesch. Kein Unternehmen wollte die Verantwortung übernehmen. In Deutschland soll ein Lieferkettengesetz nun für klarere Prozesse sorgen. Es soll Unternehmen in die Verantwortung nehmen auch bei ihren Lieferanten darauf zu achten, dass Menschen- und Arbeitsrechte eingehalten werden.

UNGLÜCKLICHE BRÄUTE IN INDIEN

In Indien setzt sich seit Jahren eine prekäre Praxis der Modeindustrie durch. „Sumangali“ werden die Arbeiterinnen in Näh- und Spinnbetrieben genannt. Auf Deutsch bedeutet das „glückliche Braut“. Das Geschäftsmodell beruht auf der Mitgift, welche Familien einer Braut bezahlen müssen. Obwohl das in Indien gesetzlich verboten ist, ist es kulturell tief verankert. Junge Mädchen werden deshalb gezielt angeworben in Fabriken zu arbeiten, weil sich die Eltern sonst keine Mitgift leisten können. Sie bekommen nur einen kleinen Lohn von ein paar Euro pro Monat. Zum Ende ihrer drei- bis fünfjährigen Beschäftigung bekommen sie einen zusätzlichen Bonus. Viele der Arbeiterinnen sind minderjährig. Sie müssen auf dem Fabriksgelände leben und in kleinen Baracken schlafen. Wenn sie „Glück“ haben, dürfen sie ein oder zwei Mal pro Jahr zu großen Feiertagen nach Hause fahren. Die Frauen leben praktisch jahrelang in Gefangenschaft. Diese Praxis ist eindeutig eine Form der modernen Sklaverei. Nach Jahren der psychischen und teilweise auch physischen Gewalt ist die Chance einen guten Ehemann zu finden sehr gering.

WAS DU DAGEGEN TUN KANNST

Der nachhaltigste Konsum wäre natürlich °nichts zu kaufen°. Es sollte gut überlegt werden, ob überhaupt ein neues Kleidungsstück gebraucht wird. Ist das der Fall, gibt es verschiedene Alternativen zu Fast Fashion (also billige Kleidung der großen Modeketten). Second-Hand ist dabei die günstigste Variante. Flohmärkte gibt es vor allem im Sommer in jeder Stadt und auch das Angebot an Internetseiten diesbezüglich wächst. Eine andere Idee ist (nach der Pandemie) eine Kleidertauschparty zu veranstalten. Kleidungsstücke, die einem selbst nicht mehr passen oder gefallen, erfreuen vielleicht eine Freundin.

Wenn es doch ein neues Kleidungsstück sein soll, empfiehlt es sich auf Fair-Trade-Labels, wie zum Beispiel das Textilsiegel „Der grüne Knopf“, zu achten. Bei billiger Kleidung solltest du dich fragen: „Wer zahlt wirklich den Preis dafür?“ Es gibt dabei immer mehr junge Unternehmen, denen der Umweltaspekt und auch die Arbeitsbedingungen während des Produktionsprozesses am Herzen liegen. Einige österreichische und deutsche Unternehmen sind: Dariadéh, Armedangels, Ehrlich Textil, Salzwasser, Grüne Erde.

Du suchst nach einem fair hergestellten Rucksack, einer Tasche oder einem Federmäppchen? Dann schau doch mal in unseren Onlineshop vorbei. Genäht werden die Produkte von unseren Trainees in Anleitung der Nähtrainerinnen. Bei uns lernen sie ein gemeinschaftliches und würdevolles Arbeitsumfeld kennen, bei dem der Spaß auch nicht zu kurz kommt. Die Einnahmen kommen zu 100% unserem gemeinnützigen Verein zu Gute und helfen so, mehr TrainerInnen einzustellen und das Workshop-Angebot auszubauen.

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