Die „Door of No Return“ in Ghana: Zeugnis des transatlantischen Sklavenhandels

Wer nach Ghana reist, kann Geschichte nur an wenigen Orten so hautnah nachempfinden wie im Cape Coast Castle. Die ehemalige Sklaven-Festung, heute ein UNESCO -Weltkulturerbe, dient nicht als Unterhaltungsprogramm, sondern als Ort des Lernens und Verstehens der schrecklichen Gräueltaten europäischer Nationen. Im Zentrum der Erfahrung steht ein schlichtes Tor, das für Millionen von versklavten Afrikaner*innen den unwiderruflichen Abschied von ihrer Heimat markierte: die berühmte „Door of No Return“.

Die Geschichte des Cape Coast Castles ist eng mit der Gier und den Expansionen europäischer Kolonialmächte verbunden. Obwohl Ghana bis 1957 eine britische Kolonie war, waren die Portugiesen 1555 die ersten Europäer, die sich am Ort niederließen, gefolgt von Schweden, Dänen und Niederländern. Letztendlich übernahmen jedoch die Briten die langfristige Kontrolle.

Ursprünglich diente das Cape Coast Castle dem Handel mit Gold, Holz und Textilien. Doch mit dem Bedarf an Arbeitskräften für die Zuckerrohr- und Tabakplantagen in Amerika, verlagerte sich der Fokus schnell. Die Besetzer erkannten, dass der Handel mit Menschen weitaus lukrativer war. Die Briten passten das Cape Coast Castle an, erweiterten es um neue große Verliese und initiierten eine neue Dimension des Sklavenhandels.

Im 18. Jahrhundert wurde das Geschäft des Castles zweifellos vom Verschiffen der Sklaven nach Nord- und Südamerika dominiert. Schätzungen zufolge wurden allein über Cape Coast Castle zwei bis vier Millionen Menschen als Ware nach Amerika verschifft.

Die Grausamkeit der Kolonialmächte manifestierte sich in den unvorstellbaren Lebensbedingungen innerhalb der Festung, die ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellten. Die versklavten Menschen wurden nicht als Menschen, sondern als Objekte und Ware betrachtet, die anschließend auf die amerikanischen Kontinente geschickt wurden.

Die Gefangenen wurden in großen Kerkern „gelagert“. Diese Verliese waren oft mit bis zu 200 Personen belegt, die dort zwischen zwei Wochen und drei Monaten verbringen mussten. Die Besichtigung der Kerker macht das Unvorstellbare greifbarer, da die Hitze und das fehlende Tageslicht noch heute spürbar sind. Viele Sklaven erblindeten aufgrund des spärlichen Sonnenlichts, das nur gebündelt durch kleine Öffnungen fiel.

Die Zustände waren hygienisch katastrophal: Es gab keine externen Möglichkeiten für den Toilettengang. Die Gefangenen mussten darauf warten, dass der Regen die durch die Mitte des Kerkers verlaufende Rinne ausspülte. Aufgrund dieser grausamen Umstände starben unzählige versklavte Afrikaner*innen bereits, bevor sie überhaupt auf die Schiffe gebracht werden konnten.

Wer sich der britischen Kolonialherrschaft widersetzte oder für seine Freiheit kämpfte, wurde brutal bestraft. Aufständische wurden in komplett dunkle, unbelüftete Räume geschickt, in denen sie ohne Wasser und Nahrung starben. Im Gegensatz dazu lebte das britische Personal in den oberen Geschossen des Castles, wie etwa im Schlafzimmer des Governors, unbeschwert, trotz des Bewusstseins über die unmenschlichen Zustände direkt unter ihnen.

Am Ende dieses Leidensweges im Castle stand die „Door of No Return“. Dieses große Tor führte direkt zum Hafen. Sklaven und Sklavinnen, die durch dieses Tor getrieben wurden – oft in Handschellen und am Hals aneinandergekettet –, sahen in diesem Moment ihr Heimatland zum letzten Mal.

Hier gab es kein Zurück mehr. Anschließend wurden die Überlebenden auf Schiffe verladen. Die Überfahrt über den Atlantik, die sogenannte „Middle Passage“, beraubte die Versklavten ihrer Vergangenheit, ihrer Familie und sogar ihres Namens. Auch auf den Schiffen herrschten grauenhafte Bedingungen, weshalb bei Weitem nicht alle Versklavten in Amerika lebend ankamen.

Cape Coast Castle ist heute ein Ort, der einen schmerzhaften Einblick in die Geschichte Westafrikas und die Gräueltaten europäischer Nationen bietet. Die Besichtigung ist für viele, insbesondere Afro-Amerikaner*innen, die nach den Orten suchen, an denen ihre Vorfahren ihre Heimat das letzte Mal sahen, äußerst emotional. Spirituelle Handlungen sind an diesem Ort keine Seltenheit.

Die Erinnerungskultur der afrikanischen Diaspora hat jedoch einen symbolischen Wandel bewirkt: Vor einigen Jahrzehnten wurden im Rahmen einer Aktion zwei Leichen vom Meer auskommend durch die Tür zurück ins Castle getragen. Damit wurde aus der „Door of No Return“ symbolisch eine „Door of Return“ (Tür der Rückkehr). Ghana hofft, die Nachfahren versklavter Afrikaner*innen zu ermutigen, Afrika als ihre Heimat zu sehen und zu besuchen.

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