Verdacht auf Menschenhandel in süddeutschen Massagestudios 

Die Betreiber mehrerer Massagestudios im Süden Deutschlands werden des Menschenhandels und weiterer Vergehen beschuldigt. Chinesinnen, die sich illegal in Deutschland aufhalten sollen, sind in deren Etablissements beschäftigt worden. 

Am 14. November 2023 wurden im Süden Deutschlands mehrere Massagestudios durchsucht. Grund der Ermittlungen war unter anderem der Verdacht auf Menschenhandel.  Knapp 270 Beamte der Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Hauptzollamtes Singen, darunter auch Spezialeinheiten und die Landespolizei, führten die Razzien im Auftrag der Staatsanwaltschaft Konstanz durch. 

Die Durchsuchungen fanden zeitgleich in drei Bundesländern statt – Hessen, Baden-Württemberg und Bayern. In den Massagestudios seien chinesische Frauen beschäftigt worden, die sich illegal in Deutschland aufhalten sollen.   „Gegenstand der Ermittlungen ist darüber hinaus, ob die persönlichen und wirtschaftlichen Zwangslagen, sowie die Hilflosigkeit der Frauen ausgenutzt werden, indem sie der Prostitution zugeführt werden,“ so die Pressestelle der Staatsanwaltschaft Konstanz.  

Weiters wird den Betreibern der Massage-Einrichtungen gewerbsmäßiger Menschenhandel, das Einschleusen von Ausländern, Urkundenfälschung, das Vorenthalten des Arbeitsentgelts sowie schwere Steuerhinterziehung vorgeworfen. Die Ermittlungen dauern noch an.  

Laut Bundeslagebild Menschenhandel und Ausbeutung des deutschen Bundeskriminalamts gab es im Jahr 2022 folgende Ergebnisse: 

  • Sexuelle Ausbeutung: 476 Opfer, 488 Tatverdächtige, 346 Verfahren 
  • Arbeitsausbeutung: 1.019 Opfer, 76 Tatverdächtige, 34 Verfahren 
  • Ausbeutung von Minderjährigen: 270 Opfer, 221 Tatverdächtige, 171 Verfahren 

Die meisten Tatverdächtigen stammten aus Deutschland und Osteuropa. Der Großteil der Opfer stammte aus Europa, fast jedes vierte aus Asien. Weitere Betroffene stammten aus Afrika, Südamerika oder waren unbekannter Herkunft. 

Österreich ist aufgrund der zentraleuropäischen Lage sowohl Ziel- als auch Transitland für Schlepper.  Das österreichische Bundeskriminalamt hat für 2022 folgende Zahlen freigegeben: 

  • Menschenhandel: 104 Opfer, 49 Tatverdächtige, 41 Verfahren 
  • Grenzüberschreitender Prostitutionshandel: 26 Opfer, 20 Tatverdächtige, 15 Verfahren 
  • Schlepperei: 712 Schlepper, geschleppte Personen: 73.096; rechtswidrig eingereiste Personen: 35.105  

Die meisten Tatverdächtigen stammten aus Osteuropa und der Türkei, die meisten Opfer aus EU-Staaten. 

Hervorgehoben wird die Ermittlung gegen eine nigerianische Tätergruppe, die junge nigerianische Frauen unter Vorspielen falscher Tatsachen angeworben hat. Sie wurden über die Mittelmeerroute nach Österreich geschleppt und in Kärnten und der Steiermark mittels Gewalt und Drohungen zur Prostitution gezwungen. Das Geld wurde ihnen zur Gänze abgenommen. Zwei Täter wurden verhaftet, zwei geschädigte Frauen wurden in Opferschutzeinrichtungen gebracht.   

Angeworben werden die Opfer auf unterschiedliche Weisen, wie über soziale Medien (Facebook, TikTok etc.), Printanzeigen oder auch in Lokalen, Diskotheken oder auf der Straße. Dabei werden falsche Versprechungen gemacht, es wird Gewalt oder Zwang angewendet. 
Vor allem aber wird die „Lover-Boy-Methode“ eingesetzt – unter Vortäuschung einer Liebesbeziehung und sozialer Isolation werden die emotional abhängigen Opfer zur Prostitution genötigt. 
Betroffene aus Nigeria werden mit religiösen Praktiken wie Voodoo oder Juju kontrolliert. Sie glauben, dass der Priester Macht über sie hat und bei einer Verweigerung ein Fluch über sie oder ihre Familie hereinbricht. Dabei befürchten sie schwere Krankheiten, Unfruchtbarkeit oder den Tod. 

Einheimische Opfer bringen ausbeuterische Delikte am ehesten zur Anzeige, da sie genauer über ihre Rechte informiert sind, mehr Vertrauen in die Behörden haben und meist besser in die Gesellschaft integriert sind als ausländische Betroffene. Osteuropäische Opfer stammen meistens aus ärmlichen Verhältnissen, außerdem gibt es in Europa keine Einschränkungen ihrer Reisefreiheit. Anders sieht dies bei asiatischen oder nigerianischen Opfern aus, die von Schleppern ins Land gebracht werden. 

Die Lockdowns und Reisebeschränkungen aufgrund der Pandemie haben bereits bestehende Notlagen, wie beispielsweise bei sexueller Ausbeutung, verschärft. Um pandemiebedingte finanzielle Einbußen so gering wie möglich zu halten, übten die Täter noch größeren Druck auf die Opfer aus. 
Das zeigt erneut: Wirtschaftliche Zwangslagen und Menschenhandel sind eng verbunden. 

Menschenhandel-Hotline: +43 677 61 34 34 34 
E-Mail: menschenhandel@bmi.gv.at oder humantrafficking@bmi.gv.at 

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