Unglücksherd Kolumbien: Tod in illegalen Minen

Ein Land voller Kultur, einzigartiger Naturräume, traditionsbewussten Bevölkerungsgruppen und einer von Menschenhandel geprägten Geschichte, die bis heute andauert: Kolumbien. Im nördlichen Teil von Südamerika zu finden, ist die präsidentielle Republik mit einer Einwohnerzahl von rund 50,9 Millionen Menschen der zweitgrößte Staat des Kontinents. Schon seit Jahrzehnten steht das Land aufgrund der innerländlichen Bandenkonflikte und der sich anhäufenden Menschenrechtsverletzungen unter Kritik. Insbesondere das Milliardengeschäft mit dem illegalen Abbau von Gold und Kohle macht regelmäßig Schlagzeilen. Kaum ein Monat vergeht, in welchem es zu keinem verheerenden Unglück mit zahlreichen Todesfällen kommt. Ausbeutung und menschenunwürdige Arbeitszustände stehen bei den illegalen Abbaugebieten jedoch weiterhin an der Tagesordnung und folglich auch tödliche Unfälle.

EIN LAND IM GOLDRAUSCH

Seit Jahren befindet sich Kolumbien im wirtschaftlichen Aufschwung. Zu verdanken ist dies unter anderem dem reichen Vorkommen an Rohstoffen. Von Erdöl über Nickel bis hin zu Kohle – die Bodenschätze machen beinahe die Hälfte der Exportgüter aus. Besonders der Rohstoff Gold verzeichnet eine steigende Nachfrage. Illegale Goldminen schießen wie Pilze aus dem Boden, in der Hoffnung auch ein Stück des Kuchens abzubekommen. Die Leidtragenden sind wie sooft die Naturräume und ärmeren Bevölkerungsschichten. Während Flüsse mit Chemikalien verseucht werden, welche zur nachhaltigen Zerstörung des Gewässers führen, setzen ganze Generationen bei Abbauarbeiten in Minen und Gruben ihr Leben aufs Spiel – für einen Hungerslohn. Goldschürfen war schon vor der spanischen Eroberung Sklavenarbeit. Nach dem Anstieg des Goldpreises wurde das Land regelrecht in einen Goldrausch versetzt. Leider wird für den größtmöglichen Gewinn das Leiden – und schlimmer noch – der Tod der ausgebeuteten Bergarbeiter in Kauf genommen. 

TÖDLICHES ALLTAGSGESCHÄFT

Nur zwei Schlagwörter werden benötigt, um unzählige Artikel, wissenschaftliche Analysen & Co. in Bezug auf die ausbeuterischen Verhältnisse in den illegalen Gold- und Kohlewerken auf Google angezeigt zu bekommen: Kolumbien und Unglück. Im August dieses Jahres verloren beispielweise zwölf Menschen bei einer Explosion in einer illegalen Kohlemine ihr Leben. Das Unglück ereignet sich in der Provinz Boyacá und wurde durch eine chemische Reaktion der Stoffe Methangas und Kohlenstaub verursacht. Mit Einhaltung der Sicherheitsvorkehrungen, also genügend Luftzirkulation, Kohlenstaubabsaugung, Grubengasdetektoren und automatischer Geräteabschaltung, könnten die Verstorbenen noch bei Ihren Familien sein. In illegalen Minen werden die Vorschriften nur in wenigen Fällen eingehalten. Vielmehr sind dort Ausbeutung und Profitgier ausschlaggebende Faktoren für die täglichen Arbeitsbedingungen. So ist es wenig überraschend, dass sich laut den Angaben der kolumbianischen Bergbaubehörde rund 60 Prozent aller tödlichen Unfälle in diesem Jahr in illegalen Minen ereignet haben.

EIN KAMPF FÜR SICHERHEIT

Tödliche Explosionen, Verschüttung der Bergarbeiter und menschenunwürdige Arbeitsbedingungen stehen in den illegalen Abbaugebieten an der Tagesordnung, doch eine Alternative ist für viele Arbeiter nicht möglich. Die Arbeit in den Minen ist oftmals der einzige Weg, genügend Geld zu verdienen, um die eigene Familie versorgen zu können. Auch die kolumbianische Politik beschäftigt sich seit Jahren mit dem illegalen Abbau von Rohstoffen wie Gold und Kohle. Doch es sind nicht die Unglücke und geringen Sicherheitsvorkehrungen, welche die Aufmerksamkeit der Politiker auf sich ziehen. Primär sind es die ökologischen und ökonomischen Auswirkungen der illegalen Minen, die für Unruhe und zu Bedenken bei hochrangigen Regierungsmitgliedern führen. Doch es gibt Hoffnung. Zahlreiche Menschrechtsorganisationen wie kolko e.V. setzen sich für eine Verbesserung der Arbeitssituation in den Abbaugebieten ein. Mit dem Programm Somos Tesoro wird beispielweise die Kinderarbeit in den Bergwerken bekämpft. Organisationen wie diese treten für die Verbesserung der wirtschaftlichen Stabilität der Familien, der Sicherheitsnormen in den Abbaulagern, sowie den stärkeren Schutz der Kinder ein. 

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