Moderne Sklaverei mitten in Europa

Jedes Jahr findet am 18. Oktober der Europäische Tag gegen Menschenhandel statt. Dabei wird auf dieses Thema und auf die Opfer des Menschenhandels aufmerksam gemacht. Denn Menschenhandel ist eine Summe an schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen. Und eine Straftat. Doch was ist Menschenhandel eigentlich genau? Und wie sieht die Situation in Europa aus?

MENSCHEN ALS LUKRATIVE HANDELSWARE

Gemäß UN-Menschenhandelsprotokoll bedeutet das Wort Menschenhandel „die Anwerbung, Beförderung, Verbringung, Beherbergung oder Aufnahme von Personen […] zum Zweck der Ausbeutung“.


Dabei werden Menschen, gegen ihren Willen oder unter der Vorspiegelung falscher Tatsachen von einem Ort zu einem anderen Ort transportiert. Oftmals geschieht dies grenzüberschreitend. Meist von ärmeren Regionen in weiter entwickelte Gebiete und Industrieländer.

Dies geschieht zumeist durch „die Androhung oder Anwendung von Gewalt oder anderen Formen der Nötigung, durch Entführung, Betrug, Täuschung, Missbrauch von Macht oder Ausnutzung besonderer Hilflosigkeit“.

Vor allem Armut und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft (für einen selbst oder für die Kinder), machen Menschen zu leichter Beute für Menschenhändler.

MODERNE SKLAVEREI MITTEN IN EUROPA – HENRIETTE ERZÄHLT IHRE GESCHICHTE

Wer nun denkt, dass Menschenhandel und Sklaverei Geschehnisse beschreiben, die in der Vergangenheit stattfanden, liegt falsch. Fakt ist: Menschenhandel ist kein altes Phänomen, sondern ein aktuelles Problem. Denn: Menschenhandel und moderne Sklaverei nehmen zu. Und passieren auch vor unserer Haustüre. Mitten in Europa. Wie auch die Geschichte von Henriette Silidan erzählt.

Henriette Silidan kam als 14jährige nach Frankreich. Ursprünglich stammt sie aus Togo. Ihre Eltern vertrauten Henriette einer Frau namens Simone an. Simone versprach Henriettes Eltern, dass ihre Tochter eine bessere Zukunft in Frankreich haben kann. Henriette sollte Simone im Haushalt helfen und die Schule besuchen. Doch dazu kam es nicht. Fünf Jahre lang arbeitete Henriette in diesem Haus. Aß das Essen, das die Kinder übrigließen, schlief am Boden, machte den Haushalt – ohne Freizeit, ohne Ausbildung und ohne das Haus zu verlassen.

Schließlich kam Henriette in einen anderen Haushalt, zu einer Frau namens Yasmina. Diese bezahlte Simone offenbar für Henriette. Und Henriette arbeitete weiter und bekam nichts dafür. Kein Geld. Keine Ausbildung. Schließlich versuchte sie zu flüchten. Jedoch erwischte Sie ein Verwandter von Yasmina dabei. Dieser erzählte ihr, dass sie nicht flüchten müsse. Yasmina kennt die Rechte und ist dabei, Henriette Ausweisdokumente zu besorgen.

Henriette fühlte sich schlechter und hatte Probleme beim Sehen – später im Krankenhaus erfuhr sie, dass sie blutarm sei (aufgrund nicht ausreichender Ernährung). Auch psychische Gewalt wurde an Henriette ausgeübt: Yasmina erzählte ihr, dass sie ja sowieso niemand haben möchte und sie nicht geliebt wird.

Eines Tages wurde Henriette von einer Person aus der Nachbarschaft angesprochen. Warum sehen wir dich nur, wenn du die Kinder aus dem Haus oder nach Hause bringst? Das war Henriettes Möglichkeit. Sie erzählte ihre Geschichte und die Person verständigte die Polizei. Henriette wurde in einer Ziehfamilie untergebracht, ehe sie wieder zurück nach Hause zu ihren Eltern kam. Von ihren Eltern erfuhr sie, dass auch sie von Simone belogen wurden. Ihre Eltern erkundigten sich regelmäßig bei Simone, wie es Henriette ging oder was sie macht. Simone erzählte eines Tages, dass Henriette davongelaufen sei. Auch die Polizei suchte nach Simone, konnte sie aber nicht finden.

Henriettes Schicksal ist eine von vielen. Ihre ganze Geschichte und weitere Berichte von Betroffenen können hier nachgelesen werden: https://50forfreedom.org/blog/category/testimonies/

AKTUELLE ZAHLEN: 27.6 MILLIONEN MENSCHEN WELTWEIT VON ZWANGSARBEIT BETROFFEN.

Weltweit sind 50 Millionen Menschen von Zwangsarbeit und Zwangsheirat betroffen – das ist einer von 150 Menschen. Menschenhandel findet in unterschiedlichsten Bereichen statt: beispielsweise durch Zwangsarbeit in der Hausarbeit, in der Pflege, der Landwirtschaft (Erntearbeit), im Baugewerbe, in der Gastronomie, im Tourismus, im Reinigungsgewerbe, in der Sexarbeit, der Bettelei, der organisierten Kriminalität, als Handel von Personen in die Ehe (Zwangsheirat).

Von den 50 Millionen betroffenen Menschen, sind 27.6 Millionen von Zwangsarbeit betroffen. Erschreckenderweise geht aus dem Report hervor, dass diese Zahlen seit 2016 gestiegen sind. Damals wurde die Zahl von 24.9 Millionen von Zwangsarbeit betroffenen Menschen veröffentlicht.

Diese aktuellen Zahlen wurde im September 2022 im Report Global Estimates of Modern Slavery: Forced Labour and Forced Marriage veröffentlicht. Demnach hat Zwangsarbeit und Zwangsheirat seitdem letzten veröffentlichte Report – im Jahr 2017 – zugenommen. 

WAS KANN MAN GEGEN MENSCHENHANDEL TUN

Auch in Österreich findet Menschenhandel statt. Wenn du den Verdacht hast, dass eine Person von Menschenhandel betroffen ist, dann – wenn möglich immer in Absprache und mit dem Einverständnis der Betroffenen – kontaktiere die Hotline des Bundeskriminalamts über +43 677 61343434 oder schreibe eine E-Mail an menschenhandel@bmi.gv.at.

Weitere Tipps und Anregungen – wie jeder im Kampf gegen den Menschenhandel helfen kann – ist im folgenden Blogbeitrag nachzulesen: https://www.hopeforthefuture.at/de/der-kampf-gegen-den-menschenhandel-wie-jeder-helfen-kann/

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