Über Jahre hinweg wurden in der italienischen Facebook-Gruppe „Mia Moglie“ intime Fotos von Frauen veröffentlicht. Und das ganz ohne deren Einwilligung. Als wäre das nicht schon schlimm genug, kommentierten Männer die Beiträge mit sexistischen und teils explizit gewaltverherrlichenden Aussagen wie:
„Ich weiß, was ich mit ihr machen würde.“
„Fick sie.“
„Ich würde sie vergewaltigen.“
Die Facebook-Seite, deren Name übersetzt „Meine Frau“ bedeutet, wurde im Januar 2019 gegründet und blieb über sechs Jahre lang ungestört online. Erst Ende August 2025, nach massiven öffentlichen Druck, wurde sie von der Plattform Meta geschlossen.

Meine Frau = Mein Eigentum?
Der Name der Gruppe, Mia Moglie, dürfte kein Zufall sein. Er suggeriert einen klaren Besitzanspruch: „Seht her! Das ist meine Frau und ich kann mit ihr tun, was ich will.“
Obwohl die Verbreitung sogenannter „Rachepornos” in Italien bereits 2019 unter Strafe gestellt wurde, teilten in der Gruppe mehr als 30.000 Männer intime Aufnahmen von Frauen, die sie beim Schlafen, beim Umziehen oder in sexuell expliziten Situationen zeigen. Viele Bilder stammten von Partnerinnen, Freundinnen oder Verwandten, die ohne Wissen oder Zustimmung fotografiert wurden. Andere Fotos wurden aus dem Internet entnommen oder mithilfe von KI erzeugt. In beiden Fällen wurden die Frauen wie Beute präsentiert, bewertet und sexualisiert.

Ein Facebook-Skandal schockiert Italien
Dem Kurier zufolge stieß eine 35-jährige Krankenschwester zufällig auf die skandalöse Gruppe. Zunächst protestierte sie öffentlich im Netz und rief auch ihre Freundinnen dazu auf, sich ihr anzuschließen. Später wandte sie sich an die Postpolizei, eine in Italien für Cyberkriminalität zuständige Sondereinheit.
Als ihre Meldung jedoch nur abfällige Kommentare von Männern auslöste, die das Ganze als „Spaß“ oder „ein Spiel“ abtaten, suchte sie über Instagram die Schriftstellerin und Feministin Carolina Capria auf. Erst nachdem Capria öffentlich über „Mia Moglie“ berichtete, nahm der Fall Fahrt auf. Capria schilderte entsetzt:
„Ich habe gestern ein paar Stunden damit verbracht, Fotos von Frauen am Meer, im Supermarkt, am Strand anzuschauen, Beiträge und Kommentare zu lesen. Mir wurde schlecht, ich hatte Angst.“
Capria prangert an, dass Frauen zum Opfer einer „virtuellen Vergewaltigung“ werden und zieht Parallelen zum Fall Gisèle Pelicot:
„Manon Garcia schreibt in ihrem Essay über den Fall Pelicot an einer Stelle, dass das Problem mit dem Konsens nicht so sehr ein juristisches ist – denn das französische Recht hat inzwischen den Grundsatz übernommen, dass Gewalt dort beginnt, wo Konsens fehlt und dass Zustimmung ausdrücklich gegeben werden muss – sondern vielmehr ein gesellschaftliches. Die Männer im Gerichtssaal (schuldig des Missbrauchs einer bewusstlosen Frau) waren mit dem Begriff Konsens in Bezug auf Sexualität überhaupt nicht vertraut. Eine ohnmächtige Frau, die sich nicht wehrt, stimmt zu. Eine Ehefrau, Eigentum des Ehemannes, stimmt zu. Zustimmung ist implizit. Frauen müssen sich nicht äußern, Frauen stehen zur Verfügung.”
Auch Fiorella Zabatta von der Partei der Europäischen Grünen übte scharfe Kritik:
„Diese Plattformen müssen bekämpft werden, diese toxische Vorstellung von Männlichkeit muss bekämpft werden – Gesellschaft und Politik müssen aktiv werden.”
„Mia Moglie“ wurde mittlerweile gelöscht
Im August 2025 nahm Meta die Gruppe nach öffentlichem Druck vom Netz. In einer Stellungnahme erklärte das Unternehmen:
„Wir erlauben auf unseren Plattformen keine Inhalte, die sexuelle Gewalt, sexuellen Missbrauch oder sexuelle Ausbeutung androhen oder fördern.“
Doch die Seite war über sechs Jahre lang aktiv, trotz klarer Verstöße. Zudem existieren zahlreiche ähnliche Gruppen, nicht nur auf Facebook, sondern auch auf Telegram und anderen Plattformen. Wird eine Seite geschlossen, tauchen oft gleich mehrere Neue auf.
Das Problem lässt sich daher nicht allein mit Löschungen lösen, sondern erfordert ein grundsätzliches Umdenken im Umgang mit digitaler Gewalt und den Strukturen, die sie ermöglichen.
Was kann ich tun, wenn von mir intime Aufnahmen im Netz landen?
Wenn man unerwartet auf intime Aufnahmen von sich stößt, ist es wichtig, nicht wegzuschauen, auch wenn das schwerfällt. Laut CyberGhost sollte man folgende Schritte unternehmen:
1. Beweise sichern
Zuerst müssen Beweise gesichert werden. Erstelle Screenshots der veröffentlichten Bilder oder Videos und speichere die Links zu allen Websites oder Social-Media-Profilen, auf denen sie verbreitet wurden. Dokumentiere außerdem jede Kommunikation mit den Täterinnen oder Tätern, zum Beispiel über Messenger, E-Mail oder soziale Netzwerke.
2. Inhalte entfernen lassen
Wende dich an die Betreiber der betroffenen Webseiten oder Plattformen und fordere die sofortige Löschung der Aufnahmen. Viele Netzwerke wie Facebook, Instagram oder TikTok bieten dafür spezielle Meldefunktionen an.
3. Unterstützung suchen
Diese Erfahrung sollte niemand allein durchstehen. Wende dich an spezialisierte Anwältinnen oder Anwälte, die Erfahrung mit derartigen Fällen haben und dich rechtlich beraten können. Auch psychologische Unterstützung oder der Austausch mit Vertrauenspersonen kann hilfreich sein.
4. Anzeige erstatten
Nachdem die Beweise gesichert sind, sollte Strafanzeige gestellt werden. Am besten geschieht das in Absprache mit einer Anwältin oder einem Anwalt.
5. Therapeutische Hilfe nutzen
Die Veröffentlichung intimer Fotos gegen den eigenen Willen kann tiefgreifende seelische Folgen haben. Es ist wichtig, die eigenen Gefühle ernst zu nehmen und sich gegebenenfalls professionelle therapeutische Unterstützung zu suchen, um das Erlebte zu verarbeiten.
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