Femizide in Österreich: Wenn das Zuhause zum gefährlichsten Ort wird

Der Begriff Femizid beschreibt die Tötung von Frauen aufgrund ihres Geschlechts. Die Bundeszentrale für politische Bildung erklärt, dass es sich dabei um geschlechtsspezifische Gewalt in ihrer extremsten Form handelt. Gemeint ist nicht nur ein Mord an einer Frau, sondern ein Mord, der durch Frauenhass, patriarchale Machtstrukturen und die Vorstellung, Frauen seien kontrollierbar oder entbehrlich, motiviert ist. Femizide unterscheiden sich deshalb von anderen Tötungsdelikten. Sie sind Ausdruck von Misogynie und tief verwurzelten gesellschaftlichen Ungleichheiten. 

In vielen Fällen geschieht ein Femizid im häuslichen Kontext. Täter sind häufig 

(Ex-)Partner oder Männer aus dem nahen sozialen Umfeld. Dies unterstreicht, dass Gewalt gegen Frauen nicht nur ein individuelles, sondern vor allem ein strukturelles Problem ist.

Ein Blick auf Österreich zeigt die Dringlichkeit. Der Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser dokumentiert fortlaufend Femizide und schwere Gewaltfälle: 

2023: 28 Femizide und 41 Fälle schwerer Gewalt gegen Frauen.

2024: 20 Femizide und 33 schwere Gewaltfälle.

2025 (Stand Mai): bereits 7 Femizide und 16 Fälle schwerer Gewalt gegen Frauen.

Diese Zahlen sind erschütternd. Österreich zählt im europäischen Vergleich regelmäßig zu jenen Ländern mit besonders hoher Rate an Frauenmorden. Laut Zeit Online wird das Thema mittlerweile intensiv diskutiert, doch die gesellschaftliche und politische Reaktion hinkt der Realität oft hinterher. Besonders problematisch ist, dass Femizide in der öffentlichen Debatte häufig verharmlost oder als „Familiendramen“ abgetan werden. Damit wird die geschlechtsspezifische Dimension verschleiert.

Ein entscheidender Schritt im Kampf gegen Femizide ist, die Dinge klar zu benennen. Wenn Männer Frauen töten, weil sie Frauen sind, dann darf dies nicht als „Tragödie“ oder „Eifersuchtsdrama“ kleingeredet werden. Der Begriff Femizid benennt die strukturellen Ursachen: patriarchale Macht, Misogynie und die Verweigerung von Gleichstellung. Das deutsche Bundesinnenministerium hat 2024 ein Lagebild zur geschlechtsspezifischen Gewalt veröffentlicht. Es macht deutlich, dass Femizide kein „Randphänomen“ sind, sondern tief in gesellschaftliche Strukturen eingebettet. Das bedeutet auch: Prävention muss an vielen Ebenen ansetzen. Von der Bildung über Polizei- und Justizarbeit bis hin zu Unterstützungsangeboten für gefährdete Frauen.

Ebenfalls verletzlich sind Frauen, die in der Sexarbeit tätig sind. Auch wenn es in Österreich kaum systematische Daten dazu gibt, verdeutlichen zahlreiche Berichte, dass Frauen in der Prostitution häufig Ziel von Frauenhass, Gewalt und Diskriminierung sind. Sie stehen an einer doppelten Schnittstelle: als Frauen und als Menschen, deren Beruf gesellschaftlich stigmatisiert wird. Diese Stigmatisierung begünstigt ein Umfeld, in dem Täter glauben, Gewalt anwenden zu können, ohne ernsthafte Konsequenzen fürchten zu müssen. Ein Femizid an einer Prostituierten unterscheidet sich nicht von einem Femizid an einer Frau im häuslichen Umfeld: In beiden Fällen ist der Kern Frauenhass, das Absprechen von Rechten und Würde. Es ist daher notwendig, auch in diesem Bereich genau hinzusehen und Schutzmaßnahmen auszubauen. 

Es gibt keine einfachen Lösungen, aber viele Ansatzpunkte.

Sprache und Bewusstsein: Medien, Politik und Gesellschaft müssen den Begriff Femizid konsequent verwenden. Nur so wird sichtbar, dass es sich nicht um Einzelfälle, sondern um ein strukturelles Problem handelt.

Prävention durch Aufklärung: Schon in der Schule muss vermittelt werden, dass Gewalt gegen Frauen niemals akzeptabel ist und Geschlechtergerechtigkeit eine Grundlage des Zusammenlebens darstellt.

Unterstützung für Betroffene: Frauenhäuser, Hotlines und spezialisierte Beratungsstellen müssen finanziell gesichert und ausgebaut werden. Gerade AÖF zeigt, wie wichtig niederschwellige Hilfe ist.

Schutzmechanismen verstärken: Polizei und Justiz brauchen klare Handlungsanweisungen, um Gefährdungen ernst zu nehmen. Oft kündigen Täter ihre Gewalt an – diese Warnsignale dürfen nicht ignoriert werden.

Prostituierte schützen: Sie brauchen spezifische Schutzkonzepte, die Gewalt verhindern und ihnen ermöglichen, Straftaten gefahrlos anzuzeigen. Entstigmatisierung ist hier ein entscheidender Faktor.

Daten erheben und analysieren: Um wirksam handeln zu können, braucht es verlässliche Daten. Vor allem wie viele Frauen in der Prostitution von Femiziden betroffen sind. 

Femizide sind nicht nur ein Verbrechen an einzelnen Frauen. Sie sind Ausdruck eines Systems, das Frauenleben weniger wertschätzt als Männerleben. Jeder einzelne Fall ist ein politisches und gesellschaftliches Versagen. Solange Frauen im eigenen Zuhause oder am Arbeitsplatz ihr Leben verlieren, weil Männer sie als Besitz betrachten, ist Gleichstellung nicht erreicht. Wir alle tragen Verantwortung: Politik, Medien, Justiz, Bildungseinrichtungen und jede*r Einzelne. Es reicht nicht, Betroffenheit zu zeigen, wenn ein neuer Femizid Schlagzeilen macht. Es braucht kontinuierliche Arbeit, klare Worte und entschlossenes Handeln. 

Femizide sind vermeidbar. Sie sind kein Schicksal, sondern das Ergebnis gesellschaftlicher Strukturen, die Frauen nicht ausreichend schützen. Indem wir das Problem klar benennen, Betroffenen Schutz bieten und patriarchale Muster durchbrechen, können wir Leben retten. Österreichs erschreckende Zahlen von 2023 bis 2025 sollten ein Weckruf sein – nicht nur für Politik und Institutionen, sondern für uns alle. Denn jedes ermordete Leben ist eines zu viel. 

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