Nachbericht: Unsere Obfrau Andrea Staudenherz im Parlament

16 Tage gegen Gewalt an Frauen – Menschenhandel muss sichtbar gemacht werden 

Endstation Gewalt! Jedes Jahr macht die internationale Kampagne „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ auf die allgegenwärtige Gewalt aufmerksam. Zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen veröffentlichten die Vereinten Nationen erneut erschreckende Zahlen: Mehr als 80.000 Frauen wurden im vergangenen Jahr Opfer von Femiziden – die meisten von ihnen innerhalb ihrer Partnerschaften. Schätzungen zufolge wird weltweit etwa alle zehn Minuten eine Frau oder ein Mädchen innerhalb der Familie oder Beziehung getötet.

Auch in Österreich wird die Kampagne mit großem Engagement getragen. Expert:innen, Menschenrechtsorganisationen – ja, sogar die Wiener Linien – beteiligen sich daran. Denn nur gemeinsam können wir Gewalt gegen Frauen stoppen! Ein starkes Zeichen setzte bereits der Flashmob vor dem offiziellen Kampagnenstart am Platz der Menschenrechte: Über 40 Teilnehmer:innen machten sichtbar, dass Gewalt nicht immer erkennbar ist, Betroffene aber oft ein Leben lang begleitet.

Organisiert von der Initiative „Stopp Sexkauf“ verdeutlichte der Flashmob, dass Gewalt an Frauen keine Randerscheinung, sondern traurige Realität ist. Laut, öffentlich und unübersehbar wurde ein kraftvolles Zeichen der Solidarität gesetzt – ein klares Signal dafür, dass Gewalt gegen Frauen in den Mittelpunkt unseres gesellschaftlichen Diskurses gehört.

 Hier ein aktueller Blogbeitrag dazu.  

Wir von HOPE FOR THE FUTURE setzen uns jeden Tag dafür ein, dass diese Spirale der Gewalt gegen Frauen endlich endet, so kam es auch dass unsere Obfrau Andrea Staudenherz ins österreichische Parlament geladen wurde.

Am 26. November 2025, abends, fand im Parlament die Veranstaltung „Die Wirklichkeit des Menschenhandels“ statt. 

Menschenhandel zählt weltweit zu den schwerwiegendsten Verletzungen der Menschenrechte. Neue Täterstrukturen, vielfältige Formen der Ausbeutung und die Notwendigkeit umfassender Unterstützung machen die Bekämpfung dieser verborgenen Kriminalität zu einer enormen Herausforderung. Ziel der Veranstaltung war es, aktuelle Entwicklungen sichtbar zu machen, das Bewusstsein zu stärken und gemeinsam konkrete Lösungsansätze zu diskutieren.

Silke Albert – Crime Prevention and Criminal Justice Officer bei den Vereinten Nationen – präsentierte das internationale Lagebild und aktuelle Trends im Bereich Menschenhandel.

Laurent Ziegler – Betroffener von Missbrauch und heute international tätiger Künstler und Autor – gab persönliche Einblicke in seine Erfahrungen und seine künstlerische Auseinandersetzung mit Würde, Freiheit und Verletzlichkeit.

Andrea Staudenherz – unsere Obfrau und Gründerin von HOPE FOR THE FUTURE – unterstützt Betroffene beim Ausstieg aus Menschenhandel und Prostitution und beim Einstieg in ein selbstbestimmtes Arbeitsleben. Andrea setzt sich besonders für das nordische Modell ein: Es entkriminalisiert die Betroffenen, kriminalisiert Sexkäufer und Betreiber und finanziert Ausstiegsprogramme für Prostituierte.

Diese Veranstaltung bot die seltene Gelegenheit, im österreichischen Parlament von Expert:innen und Betroffenen zu hören, welche Herausforderungen Menschenhandel heute mit sich bringt. Sie sensibilisiert, informiert und zeigt, wie gesellschaftliches Engagement, politische Maßnahmen und konkrete Hilfsangebote zusammenwirken können, um Gewalt und Ausbeutung zu bekämpfen. Im österreichischen Parlament zu sprechen, schafft einen Möglichkeitsraum: Die Atmosphäre, das Gebäude, die Präsenz der österreichischen Geschichte und der Personenkreis, der erreicht werden kann, wirkt. Auch wenn sich vielleicht nicht heute etwas ändert, dann sickern doch die Forderungen und Ideen. Sie sickern und manifestieren sich und genau das brauchen wir für den gemeinsamen Kampf gegen Gewalt!

Ein Teil des HFTF-Teams

Unsere Obfrau Andrea Staudenherz erklärte deutlich, wie Betroffene von Menschenhandel neben den psychischen und physischen Belastungen oft vor großen bürokratischen Hürden stehen: Äußerst problematisch ist der Aufenthalt nach § 57, wenn Betroffene als Zeug:innen in einem Menschenhandelsverfahren ausgesagt haben. Zwar hat das AMS in diesem Fall kein Prüfungsrecht und muss eine Arbeitserlaubnis ausstellen, trotzdem muss das Unternehmen, welches die Person beschäftigen möchte, den Antrag auf Arbeitsbewilligung stellen. Dieser Prozess stellt eine unnötige Hürde dar, die den Einstieg in den Arbeitsmarkt erschwert. Viele Arbeitgeber:innen wollen nicht wochenlang auf eine Bewilligung warten, wodurch die Chancen auf eine Anstellung sinken.

Selbst wenn eine Betroffene eine Arbeitsstelle findet, ist die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung im zweiten Jahr an die Bedingung geknüpft, dass das straf- oder zivilrechtliche Verfahren noch läuft. Nach zwei Jahren kann dann eine Rot-Weiß-Rot-Karte beantragt werden. Läuft das Verfahren nicht mehr, fallen die Betroffenen oft wieder ‚durch das Raster‘ und stehen ohne Schutz und Perspektive da.

Hinzu kommt, dass viele Betroffene aufgrund von Traumatisierungen oder gesundheitlichen Problemen nicht sofort Vollzeit arbeiten können. Eine geringfügige Anstellung ermöglicht bisher EU-Bürgerinnen Zugang zur medizinischen Versorgung und finanzieller Absicherung über die Mindestsicherung. Es bleibt zu hoffen, dass diese Möglichkeiten trotz der gesetzlichen Änderungen ab 2026 weiterhin bestehen, um Betroffene in der ersten Phase ihrer Wiedereingliederung zu unterstützen. 

Silke Albert erzählte von neuen Formen der Ausbeutung. Besonders spannend war der Telefon- und Online-Betrug. Auch dahinter stehen riesige Organisationen, die Menschen ausbeuten, um diese betrügerischen Machenschaften auszuführen. Sie erwähnte außerdem die hohe Dunkelziffer ausgebeuteter Menschen sowie Betroffener des Menschenhandels, von denen wir nie erfahren werden. Wichtig ist hier auch zu verstehen, dass viele Länder auf dieser Welt gar kein Interesse daran haben, ‚echte‘ Aufzeichnungen zu führen; vielmehr beschönigen sie die Zahlen der Betroffenen.

Laurent Ziegler wurde sehr persönlich und nahm das Publikum mit auf seine Reise. Er gab Einblicke, wie sein erlebter Missbrauch bis heute sein Leben beeinflusst, ohne sich jedoch als Opfer darzustellen. Man merkte, dass er ein starker Mensch ist, der viel erlebt hat und dessen Lebensweg dadurch geprägt wurde – dies verarbeitet er künstlerisch und rüttelt damit auf.

Die 16 Tage gegen Gewalt an Frauen und begleitende Aktionen wie der Flashmob zeigen deutlich: Gewalt gegen Frauen ist kein Einzelfall, sondern ein gesellschaftliches Problem. Gewalt, Ausbeutung und Menschenhandel sind sehr komplexe und sehr verstrickte Themen und diese zu erklären, braucht viel Zeit und Geduld. Nur durch gemeinsames Handeln, Aufmerksamkeit und Solidarität können diese sichtbar gemacht und bekämpft werden. Laurent Ziegler machte klar: Betroffene sind keine Opfer, sie sind Menschen!

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