Unter dem Namen „Operation Bogotá“ gelang es Behörden, einem internationalen Netzwerk auf die Spur zu kommen, dass Frauen aus Kolumbien in Österreich zu Prostitution zwang. 43 Opfer wurden befreit, fünf mutmaßliche Täter festgenommen.
43 Frauen befreit
Schon seit Jahren arbeitet das österreichische Bundeskriminalamt gemeinsam mit der kolumbianischen Polizei und Europol an einem erschütternden Fall von Menschenhandel. Zuletzt konnten 43 Opfer identifiziert und befreit werden – die Frauen stammen aus Kolumbien. Wie genau der Menschenhändlerring aufgeflogen ist, wurde bis dato nicht öffentlich gemacht.

Hauptverdächtiger untergetaucht
Im August wurden zwei österreichische Frauen und eine rumänische Frau in Österreich festgenommen, berichtete Europol. In Spanien wurde ein Mann aus Uruguay und eine Frau aus Kolumbien festgenommen.
Eine weitere, von Europol koordinierte Razzia in Kolumbien am 5. September führte zu fünf Festnahmen. Der mutmaßliche Anführer, ein österreichisch-türkischer Staatsbürger, befindet sich jedoch derzeit noch auf freiem Fuß. Man vermutet, dass die Tätergruppe von Österreich aus agierte. Weiters finden sich Spuren von Verbindungen nach Kolumbien, der Türkei, Rumänien, Uruguay.
Falsche Versprechen und Kontrolle
Jeder Verdächtige hatte eine spezifische Rolle, von der Anwerbung und Täuschung in Kolumbien bis hin zur Unterbringung und Überwachung in österreichischen Bordellen.
Die Frauen, die in der Regel aus wirtschaftlich schwierigen Verhältnissen stammten, wurden unter falschen Versprechungen angeworben, verschleppt und in die Prostitution gezwungen. Sie fanden sich in einer ausweglosen Situation wieder, vollständig unter der Kontrolle der Menschenhändler.
Gewaltvideos als Drohgebärde

Die Verdächtigen bewarben ihre Opfer und die angebotenen Dienstleistungen über Erotik-Seiten im Internet. Die genauen „Leistungen“ sowie Preise wurden von Callcenter-Mitarbeitern koordiniert, die Frauen hatten keinerlei Entscheidungsfreiheit darüber, was mit ihnen geschieht.
Bei Nichtgehorsam übten die Menschenhändler schwere körperliche Gewalt auf die Frauen aus. Diese Übergriffe wurden gefilmt und die Videos zur Einschüchterung verwendet. Es wurde den Frauen auch damit gedroht, dass man ihren in Kolumbien lebenden Angehörigen etwas antun würde.
Dass die Drohungen durchaus ernstzunehmend sind, zeigt der Mord an einem ehemaligen Mitglied des Menschenhändlerrings. Der Mann wurde in Kolumbien ermordet.
Wie geht es den 43 Frauen heute?
Die gute Nachricht ist, die Frauen sind in Sicherheit. Einige wohnten beziehungsweise wohnen in Schutzunterkünften bei Lefö-IBF, der Interventionsstelle für Betroffene von Frauenhandel. Doch niemand kann sagen, wie es langfristig weitergeht.
Der Paragraf 57 des österreichischen Asylgesetzes besagt, dass Zeuginnen beziehungsweise Opfer von Gewalt das Recht auf Aufenthalt mit besonderem Schutz haben. Die Gültigkeit endet jedoch nach einem Jahr, dann muss eine Verlängerung beantragt werden. Solange die Ermittlungen laufen, wird der Status mit Sicherheit verlängert – danach ist es ungewiss.

Internationale Zusammenarbeit
Dieser Fall zeigt eindrücklich, wie wichtig internationale Zusammenarbeit im Kampf gegen Menschenhandel ist. Von Österreich aus führten die Ermittlungen nach Istanbul, Ankara, Bogotá und Medellín. Über die Landesgrenzen hinaus konnten Ermittler:innen die komplexen Geldflüsse des Netzwerks aufdecken und Tätern auf die Spur kommen. Der Fall ist aber längst nicht abgeschlossen – der Hauptverdächtige ist schließlich noch auf der Flucht und es ist unklar, ob es noch weitere Opfer und Täter gibt.
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