Wir bieten dir ein Praktikum (Vollzeit, drei Monate). Deine Aufgaben? So ziemlich alles: von Kaffeekochen bis Projektmanagement, von Social Media bis Kundenkontakt. Du unterstützt das Team in allen Bereichen, arbeitest selbstständig und übernimmst volle Verantwortung. Kurz: Du funktionierst wie eine vollwertige Arbeitskraft.
Ob du dafür bezahlt wirst? Natürlich nicht. Aber dafür erhältst du immerhin die einmalige Chance, dich „persönlich weiterzuentwickeln“. Klingt absurd? Ist es auch.

Und dennoch sind Praktika mittlerweile in vielen Branchen zur Norm geworden. In Gesundheits- und Sozialberufen sind sie sogar Pflicht. Für die monatelange Arbeit erhalten die Praktikant:innen jedoch häufig keinen Cent. Doch kann man hier eigentlich überhaupt noch von Ausbildung sprechen, oder ist das schon Ausbeutung?
Das Problem mit unbezahlten Praktika
Einstiegsjobs werden immer seltener. Wer aktuelle Stellenangebote betrachtet, findet bei vielen sogenannten „Einstiegspositionen“ den Zusatz „mindestens zwei Jahre Berufserfahrung“, selbst bei Jobs für Werkstudent:innen. Für junge Menschen, die gerade ins Berufsleben starten, bleiben oft nur Praktika.
Leider sind viele dieser Praktika nicht angemessen vergütet oder gar komplett unbezahlt. Sie sollten dazu dienen, erste berufliche Erfahrungen zu sammeln und die im Studium oder in der Ausbildung erlernten Fähigkeiten praktisch anzuwenden. In der Realität übernehmen Praktikant:innen jedoch häufig Aufgaben wie vollwertige Mitarbeitende: Sie tragen Verantwortung, arbeiten feste Stunden und betreuen eigene Projekte. Sie erhalten dafür aber weder angemessene Rechte noch eine faire Bezahlung.

Besonders Pflichtpraktika in sozialen oder gesundheitlichen Berufen, die als Teil der Ausbildung gelten und selten bezahlt sind, machen die Problematik deutlich. Eine Hebammen-Studentin berichtete dem KURIER: „Ich arbeite derzeit im Praktikum 40 Stunden die Woche in der Klinik, á zwölf Stunden oder länger. Daneben habe ich noch Seminare auf der FH und muss mich für Prüfungen vorbereiten. Außerdem arbeite ich noch zirka acht Stunden die Woche in einem Nebenjob.” Diese Doppelbelastung führt nicht nur zu enormem Zeitdruck, sondern auch zu hohem psychischem Stress und mentaler Erschöpfung. Viele Praktikant:innen berichten von Schlafmangel, Sorgen um die finanzielle Situation und der ständigen Angst, die Anforderungen nicht erfüllen zu können. Einige müssen ihre Ausbildung abbrechen, da sie niemand während der Praktikumszeiten unterstützen kann.
Denn die finanziellen Folgen sind erheblich. Im Grunde genommen arbeiten die Praktikant:innen nicht nur unbezahlt, sondern viele zahlen am Ende sogar drauf. Laut einer Studie des Europäischen Jugendforums kostet ein unbezahltes Praktikum junge Menschen in Europa durchschnittlich rund 1.000 Euro pro Monat. Da die meisten Praktika mehrere Monate dauern, summieren sich die Kosten schnell auf mehrere tausend Euro. Die Möglichkeit, diese Ausgaben zu tragen, ist für Menschen mit Migrationshintergrund, für Kinder alleinerziehender Eltern oder für Menschen mit Behinderungen bis zu achtmal geringer als für andere. Unbezahlte Praktika verstärken somit soziale Ungleichheit und schließen junge Menschen aus finanziell schwächeren Familien von wichtigen Karrierewegen aus.
Besonders betroffen sind Frauen, die überproportional oft in Branchen arbeiten, in denen unbezahlte Praktika verbreitet sind – etwa im sozialen Bereich, im Gesundheitswesen sowie in kulturellen und pädagogischen Berufen.
Die EU fordert Änderung
Bereits 2023 forderte das EU-Parlament klare Maßnahmen gegen unbezahlte Praktika und setzte sich dafür ein, die Vergütung von Praktikant:innen zu verbessern und faire Arbeitsbedingungen sicherzustellen. Ziel ist es, Missbrauch und sogenannte „Scheinpraktika“ zu verhindern, bei denen junge Menschen als billige Arbeitskräfte eingesetzt werden oder ihnen grundlegende Rechte vorenthalten bleiben.
Praktikant:innen sollen künftig grundsätzlich die gleichen Arbeitsbedingungen wie reguläre Beschäftigte erhalten, einschließlich einer angemessenen Vergütung, wobei Unterschiede nur aus „objektiven Gründen”, etwa bei geringerer Verantwortung, zulässig sind.
Um Transparenz zu gewährleisten, müssen Unternehmen künftig Angaben zu Anzahl, Dauer, Aufgaben und Lerninhalten von Praktika offenlegen. Die Dauer von Praktika soll in der Regel auf sechs Monate begrenzt werden. Ausnahmen sind nur für berufsnotwendige Praktika vorgesehen. Außerdem sollen Praktikant:innen Zugang zu Sozialschutz, Krankenversicherung, Arbeitslosengeld und Rentenbeiträgen erhalten.
Zur Kontrolle der Einhaltung der Regeln sollen Praktikant:innen Missstände über nationale Kanäle melden können. Der Beschäftigungsausschuss des EU-Parlaments (EMPL) stimmte am 23. September 2025 für eine weitere Stärkung der Vorschläge der Europäischen Kommission aus dem Vorjahr, mit 42 Ja-Stimmen, 9 Nein-Stimmen und 6 Enthaltungen. Die Verhandlungen mit den EU-Mitgliedstaaten zur endgültigen Verabschiedung der Gesetzgebung dürften jedoch schwierig werden.
Tipps der Arbeiterkammer
Auch wenn sich Ausbeutung im Praktikum nicht immer vollständig verhindern lässt, gibt die Arbeiterkammer (AK) einige praktische Tipps, wie du erkennst, ob dein Praktikum fair abläuft, und wie du deine Rechte durchsetzen kannst.
Vor dem Start
- Lass dir alle Vereinbarungen schriftlich geben – Aufgaben, Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit, Entlohnung und mögliche Abzüge.
- Kläre, welchem Kollektivvertrag der Betrieb unterliegt.
- Vereinbare feste Arbeitszeiten und freie Tage, besonders bei unregelmäßigen Diensten.
- Bist du unter 18? Dann sind Überstunden verboten.
Wenn kein Arbeitsverhältnis vorliegt, gilt: kein Anspruch auf Gehalt, Urlaub oder Sonderzahlungen. Dafür gibt es keine Bindung an Arbeitszeiten und das Lernen muss im Vordergrund stehen, nicht die Arbeitsleistung.
Während des Praktikums:
- Führe Tätigkeits- und Arbeitszeitaufzeichnungen; sie können im Streitfall entscheidend sein.
- Keine falschen Arbeitszeitnachweise unterschreiben!
- Pflichtpraktikant:innen mit Bezahlung müssen bei der Gesundheitskasse angemeldet werden.
- Bei unbezahlten Pflichtpraktika bleibst du über Schule oder Studium unfallversichert.
Nach dem Praktikum:
- Keine Verzichtserklärungen unterschreiben.
- Fehlendes Geld oder Urlaubsersatz schriftlich nachfordern (Verfallsfristen beachten)!
- Zu viel gezahlte Lohnsteuer oder Sozialversicherungsbeiträge kannst du dir beim Finanzamt (Negativsteuer) zurückholen.
- Wenn es Probleme gibt: Betriebsrat, Gewerkschaft oder Arbeiterkammer einschalten.
#UnbezahltePraktika #Ausbeutung #Aufklärung #StopptAusbeutung #SozialeUngleichheit #OpferschutzMenschenhandel #PräventionMenschenhandel #AgainstHumanTrafficking #GegenMenschenhandel #EndExploitation #EndTrafficking #HopeForTheFuture #Österreich
