Treasures – Ein Weg in die Freiheit

Wir wollen eine besondere Frau vorstellen, die als Überlebende von Gewalt und Missbrauch in die Sexindustrie geriet und jahrelang darin gefangen war – bis sie schließlich den Ausstieg schaffte. Harmony Grillo gibt mit ihrer Geschichte anderen Frauen, die in der Sexbranche arbeiten, Hoffnung. Seit ihrer Befreiung hat sie ein Hochschulstudium absolviert, ein Buch veröffentlicht und eine Stiftung namens „Treasures“ gegründet, die Opfer der Sexindustrie und des Menschenhandels unterstützt.

ÜBERLEBENDE EINER SCHLIMMEN KINDHEIT

In einem Video auf ihrer Homepage erzählt Harmony von ihrer schweren Kindheit in einer berüchtigten Gegend im amerikanischen Bundesstaat Kalifornien. Ihre Mutter und ihr Stiefvater zogen sie in einem von Drogen und Gewalt geprägten Umfeld auf. Ihr Stiefvater missbrauchte sie das erste Mal mit dreizehn. Ihre Mutter wusste davon, aber da ihr dasselbe als Kind widerfahren war, wusste sie der jungen Harmony nicht zu helfen. Im Gegenteil, ihre Mutter warf ihr vor, dass sie sich zu aufreizend kleidete. Männer würden sich eben nicht beherrschen können, erklärte sie ihrer Tochter.

ALLEINGELASSEN

Eines Sommers lernte Harmony einen älteren Jungen kennen, der sie mit Essen versorgte, da die Mutter sie und ihren kleinen Bruder über den Sommer allein zurückgelassen hatte. Aus diesem scheinbaren Akt der Nächstenliebe entwickelte sich ein Abhängigkeitsverhältnis. Mit 19 brachte sie ihr Freund dazu, in einem Stripclub anzufangen. Sie wendete sich hilfesuchend an ihren damaligen Psychologielehrer, welchem sie vollstes Vertrauen schenkte. Dieser spielte die Sache herunter und meinte, es sei doch nur ein Job. Wenige Zeit später stattete er ihr in dem Club, in dem sie tanzte, einen Besuch ab…

EIN GEFÜHL VON MACHTLOSIGKEIT

Damals begriff Harmony noch nicht, dass ihr fester Freund zu ihrem Zuhälter geworden war. Nach jeder Schicht händigte sie ihm ganz selbstverständlich ihr verdientes Geld aus. Sie hätte ohnehin nicht das Gefühl gehabt, dass sie es verdient hätte, erklärt sie.

Als Stripperin durften die Kunden sie nicht anfassen, und doch versuchten es viele natürlich immer wieder. Sie versuchte ihre Grenzen mit Gewalt zu verteidigen, schlug auch oft zu, wenn jemand versuchte, sie zu überschreiten. Wann immer die Polizei ins Spiel kam, war sie diejenige, die Schwierigkeiten bekam. Die Beamten erkannten nicht, dass es eigentlich die Kunden des Clubs gewesen waren, die sich übergriffig verhalten hatten.

DER AUSSTIEG

Da sie für ihr Leben gern tanzt, kam Harmony durch eine Bekannte auf die Idee, sich beim Ballettunterricht anzumelden. Dort lernte sie eine junge Frau kennen, die ihr Leben veränderte. Sie war selbstbewusst, kannte ihre Grenzen und lebte frei und unbeschwert. Zwischen ihr und Harmony entwickelte sich eine innige Freundschaft. Harmony begann durch sie, regelmäßig die Kirche zu besuchen. Nach dem Kirchenbesuch ging ihr nächster Weg in den Stripclub, doch nach und nach hinterfragte sie ihre Arbeit und suchte nach einem Sinn in ihrem Leben. Eines Nachts, während eines Auftritts auf der Bühne, begriff sie: Sie musste weg, weg aus diesem Business, weg aus diesem Leben, in dem sie gefangen war. In derselben Nacht räumte sie ihre Garderobe aus, verließ den Club und kehrte nicht einmal zurück.

Die noch schwierigere Aufgabe war für Harmony, sich von ihrem Freund loszulösen, der seit Jahren ihr Leben völlig in der Hand hatte. Doch auch diesen Schritt konnte sie schlussendlich meistern. Nun stand sie vor einer ungewissen, und doch vielversprechenden Zukunft.

EIN NEUANFANG

Mit 22 kehrte sie der Sexindustrie den Rücken, zwei Jahre später promovierte sie magna cum laude in Psychologie an der angesehenen Hochschule UCLA. Danach folgte ein Master in Social Welfare (Soziale Arbeit). Jahre später schrieb sie ihre Memoiren in ihrem Buch „Scars and Stilettos“ nieder.

Außerdem gründete Harmony eine Stiftung, die den Namen Treasures trägt. Treasures versteht sich als eine Art Selbsthilfegruppe, die Betroffene dabei unterstützt, die Kraft und den Mut aufzubringen, aus dem Milieu auszusteigen. 89 Prozent der Frauen, die als Sexarbeiterinnen arbeiten, tun es nicht freiwillig, doch sie sehen keine Alternative. Rund 70 Prozent aller Frauen, die Opfer von Menschenhandel sind, landen in der Sexindustrie.  

OUTREACH, CARE UND TRAINING

Kontaktaufnahme, Betreuung und Schulung – dies sind die drei Schritte, die Treasures fokussiert, um Betroffenen zu helfen. Die Stiftung schickt Infomaterial an Bordelle, Stripclubs etc., um die Frauen zu erreichen. Auf der Homepage wird betont, dass der Service für Betroffene kostenlos und vertraulich ist und niemandem Hilfe aufgezwungen wird. Viele Frauen, die in der Sexindustrie arbeiten, wissen gar nicht, was ihre Möglichkeiten sind und glauben, es gäbe absolut keinen Ausweg. Treasures zeigt ihnen, dass es Alternativen gibt und dass man den Ausstieg, wenn auch nur mit viel Unterstützung, schaffen kann. Auch wenn die Organisation von Harmony Grillo auf christlichen Werten basiert, kann jeder die Unterstützung in Anspruch nehmen, ganz egal welchen religiösen oder spirituellen Glauben man hat.

ANGEBOTE UND RESSOURCEN

Das besondere an Treasures ist, dass dort viele Frauen, die selbst in der Sexbranche arbeiteten, aktiv sind. Demnach können sie sich mit den Hilfesuchenden identifizieren und verstehen ihre täglichen Sorgen und Ängste am besten.

Harmony Grillo hat durch Treasures auch eine Video-Serie auf Youtube herausgebracht. In den Videos sprechen ehemalige Sexarbeiterinnen über ihre Erlebnisse und Erfahrungen. Sie erzählen von ihrer Vergangenheit, was anderen Betroffenen helfen soll, sich nicht alleine zu fühlen und Mut zu schöpfen.

Man kann sich über Treasures auch zu verschiedenen Schulungen anmelden, diese sind allerdings nicht kostenfrei. Sie richten sich an Ehrenamtliche, Familienangehörige, Organisationen und alle, die lernen möchten, wie man Menschen beim Ausstieg aus der kommerziellen Sexindustrie helfen kann.

Außerdem veröffentlicht Treasures Blogartikel zu sehr interessanten Themen rund um die Sexarbeit im Allgemeinen, sowie Texte, die (Ex-)Sexarbeiterinnen über ihren Schmerz hinweghelfen sollen. Auch diese Texte werden von Frauen geschrieben, die selbst in der Sexindustrie tätig waren.

JEDE FRAU IST EIN SCHATZ

Harmony Grillo ist ein Vorbild für all jene, die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen und trotz einer schweren Vergangenheit ein gutes Leben haben möchten. Jede Frau hat es verdient, ein Leben frei von Gewalt und Fremdbestimmung zu leben. Viele Frauen in der Sexindustrie glauben, sie seien genau da, wo sie hingehören, da sie nie Liebe und Wertschätzung erfahren haben. Ein gesunder Selbstwert ist der beste Schutz vor einer ausbeuterischen und toxischen Beziehung. Organisationen wie Treasure und Hope for the Future sind so wichtig, weil sie den Betroffenen Alternativen aufzeigen und ihnen die Kraft und die Ressourcen geben, ihr Leben nach ihrem Willen umzugestalten.

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