Täterperspektive: Warum kaufen Männer Sex und unterstützen damit Ausbeutung?

Wenn über Prostitution und Menschenhandel gesprochen wird, richtet sich der Blick meist auf die Betroffenen, jene, die ausgebeutet, kontrolliert und verletzt werden. Seltener dagegen stehen die Täter, die Käufer sexueller Dienstleistungen, im Zentrum. Dabei sind sie es, warum es diesen Markt gibt. Ohne Nachfrage kein Angebot und ohne Geld keine Ausbeutung. Die Frage ist also nicht nur, wie Frauen in ausbeuterische Verhältnisse geraten, sondern auch, warum Männer Sex kaufen.

Viele Männer, die Sex kaufen, sehen sich selbst nicht als Täter. Sie betrachten sich als „Konsumenten“ in einem „freien Markt“. Bereits 2015 wurden Interviews mit Männern in Österreich und Schweden durchgeführt, in welchen vom „beidseitigen Nutzen“ gesprochen wurde. Ebenfalls erwähnt wurde die „Erfüllung männlicher Bedürfnisse“ und der Wunsch nach „Stressabbau“. Die Frauen werden in diesen Erzählungen zu Dienstleisterinnen. Ihre Lebensrealität bleibt unsichtbar. Diese Normalisierung schafft eine moralische Distanz. Der Kaufakt wird entmoralisiert, die Gewalt unsichtbar gemacht. Männer sagen, sie würden „respektvoll“ kaufen, „nur bei freiwilligen Frauen“. Doch diese Freiwilligkeit ist oft eine Täuschung. 

Prostitution ist nicht nur ein ökonomischer Tausch, sondern auch ein Machtakt. Die Käufer berichten häufig, dass sie im käuflichen Sex etwas erleben, was sie in gleichberechtigten Beziehungen vermissen: Kontrolle, Dominanz, bedingungslose Verfügbarkeit. Hierbei geht es seltener um den spontanen Sex, sondern um den Versuch, Kontrolle zu gewinnen. „Wer zahlt darf sich nehmen, was er will.“

Aus Sicht der Täter ersetzt Geld die Zustimmung. Die Täter erleben also ein kurzfristiges Gefühl von Kontrolle. Die Gewalt liegt nicht nur im physischen Zwang, sondern im strukturellen Ungleichgewicht, das den Sexkauf überhaupt erst ermöglicht.

Ein weiterer Grund der Nachfrage ist die digitalisierte Sexualität. Männer, die regelmäßig Pornografie konsumieren oder Online-Dating nutzen, zeigen häufiger ein verzerrtes Bild von Intimität: Sexualität wird als konsumierbares Gut wahrgenommen.

Im Netz wird der Körper zur Ware, der Klick zur Bestellung. Die emotionale Distanz, die dabei entsteht, setzt sich im realen Sexkauf fort. Wer gelernt hat, Sexualität per Mausklick zu „kaufen“, empfindet den Übergang zur realen Transaktion kaum noch als moralisches Problem.

Viele Männer rationalisieren ihr Verhalten, um Schuldgefühle zu vermeiden. Häufig wird betont, dass niemand gezwungen werde, der Kauf freiwillig erfolge und eine klare Dienstleistung sei. Diese Selbstrechtfertigungen dienen der psychologischen Entlastung. Sie verschleiern die ethische Dimension. Auch wenn der Kauf formal freiwillig erscheint, zeigt er ein Machtgefälle, das strukturelle Ausbeutung ermöglicht. Die Nachfrage nach käuflichem Sex wird auch durch gesellschaftliche und kulturelle Faktoren geprägt. Sexuelle Objektifizierung, männliche Dominanzmuster und die Darstellung von Frauenkörpern in Medien normalisieren den Sexkauf. Auch Gruppendruck und die kulturelle Legitimierung männlicher Sexualität senken die Hemmschwelle. Männer erleben den Kauf von Sex oft nicht als moralisches Problem, sondern als selbstverständliche Option zur Bedürfnisbefriedigung.

Männer, die für Sex bezahlen, habe eine erhöhte Risikobereitschaft im Bereich sexuell übertragbarer Infektionen. Sie haben nicht nur häufiger mehrere Sexualpartner, sondern auch häufiger Diagnosen von sexuell übertragbaren Krankheiten. Gleichzeitig zeigen die Daten, dass diese Männer oft präventive Maßnahmen wie Kondomgebrauch häufiger nutzen, was jedoch nicht ausreicht, um die Risiken vollständig zu reduzieren. Dies verdeutlicht die Notwendigkeit, Sexkauf nicht nur als moralische, sondern auch als gesundheitspolitische Herausforderung zu betrachten. Sexkauf ist ein Risikofaktor für die öffentliche Gesundheit, sowohl für Käufer als auch für deren Partner*innen und die Opfer des Sexkaufs.

Die Analyse der Täterperspektive verdeutlicht: Sexkauf ist kein rein sexuelles, sondern ein komplexes soziales Phänomen. Männer kaufen nicht nur Sex, um körperliche Bedürfnisse zu befriedigen, sondern auch, um Macht, Kontrolle und Überlegenheit zu erleben, die ihnen in gleichberechtigten Beziehungen oft fehlen. Digitale Medien, Pornografie und Onlinekultur verstärken eine Entfremdung von echter Intimität und fördern die Wahrnehmung von Sexualität als konsumierbares Gut. Gleichzeitig rationalisieren Männer ihr Verhalten häufig, um moralische Verantwortung zu vermeiden. Ohne Nachfrage gäbe es keinen Markt für Prostitution und keine systematische Ausbeutung. Gesellschaftlicher Wandel muss daher sowohl die Nachfrage nach Sex als auch die sozialen und kulturellen Bedingungen männlicher Sexualität adressieren. Nur durch Aufklärung, Prävention und Reflexion männlicher Rollenbilder kann das komplexe Geflecht aus Macht, Kontrolle und Ausbeutung langfristig durchbrochen werden.

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