Rent-a-Girlfriend in Japan: Einsamkeit, Kommerz und die Grenze zur Prostitution

In Japan hat sich über die letzten Jahre ein neues Geschäftskonzept entwickelt, das im Ausland oft mit Überraschung betrachtet wird: Die Vermietung von „Freundinnen“ und auch von „Freunden“. 

Dabei handelt es sich um Dienstleistungen, bei denen Kunden gegen Bezahlung eine Begleitung für ein paar Stunden buchen können. Die gemietete Freundin behandelt die Kunden, als wäre sie ihre Freundin. Die Kosten, die bei den Dates entstehen, müssen alle vom Kunden getragen werden. Die beliebtesten Anbieter in Japan sind: Diamond Agency (Shinjuku), Rent a Girlfriend Tokyo (Shibuya) und Aki Kanojo Rental (Ikebukuro).

Wie weit eine „rented Girlfriend“ geht, lässt sich schwer überprüfen. In einem YouTube Video von @TheErstiesSpot wird auch körperlicher Kontakt, im romantischen Sinne, gezeigt. Dabei handelt es sich um Umarmungen und Händchenhalten in der Öffentlichkeit. Es gibt auch die Möglichkeit ein Stundenhotel zu mieten und dort das „Kuschel-Paket“ in Anspruch zu nehmen, welches die YouTuberin getan hat. Hierbei entsteht deutlich mehr Körperkontakt, der schnell sexuell werden könnte. 

Ein zentraler Auslöser dieser Dienstleistungen ist die soziale Isolation in Japan, welche viele Menschen betrifft. Lange Arbeitszeiten, hohe Erwartungen in Schule und Beruf sowie eingeschränkte Freizeit machen es besonders in Großstädten wie Tokio oder Osaka schwer, echte Beziehungen zu knüpfen und zu halten. 

Die Folge: Viele Menschen erleben Einsamkeit und sehnen sich nach Nähe. Manche möchten auch das Risiko und den Aufwand, die eine reale Beziehung mit sich bringt, umgehen. 

Die mietbaren Freundinnen und Freunde erfüllen genau diese Bedürfnisse. Sie bieten Gesellschaft, körperliche Nähe und Komplimente, Gespräche über alltägliche Themen oder gemeinsame Aktivitäten und das alles in einem klar definierten, kommerziellen Rahmen. 

Kunden wählen online aus einer Liste von Profilen ihre Favoritin/ihren Favoriten aus und buchen ihre Begleitung für ein paar Stunden. Das Treffen findet in der Regel an öffentlichen Orten statt, wie Cafés, Einkaufsstraßen oder Freizeitparks. Physische Nähe ist reglementiert oder ausgeschlossen. Agenturen betonen, dass es sich um „platonic companionship services“ handelt – nicht um Nachtunterhaltung oder Escort-Service. 

Die Preise variieren je nach Anbieter, Dauer und Aktivitäten. Buchungen beginnen oft bei mehreren Tausen Yen (ca. 12. 000, das sind 65.54 Euro) zusätzlich kommen Verpflegung, Fahrtkosten und andere Ausgaben hinzu. 

Befürworter sehen in diesen Diensten eine mögliche therapeutische Unterstützung für Menschen, die sozial unsicher oder einsam sind. Für manche Kunden ist es eine Art Übung, um ihre kommunikativen Fähigkeiten zu stärken und Erfahrungen im Dating zu sammeln. 

Kritiker argumentieren, dass diese Dienstleistungen die Kommerzialisierung menschlicher Nähe vorantreiben. Indem soziale und emotionale Bedürfnisse zur Ware werden, wird eine Vorstellung von zwischenmenschlicher Beziehung propagiert, in der Intimität käuflich ist und eine echte Verbindung weniger wichtig erscheint. 

Ein besonders kontroverser Aspekt ist die Abgrenzung zur Prostitution oder zu sexuellen Dienstleistungen.

Rechtlich gesehen ist das reine Vermieten einer Begleitung, die keine sexuellen Dienste anbietet, legal in Japan. Doch in der Praxis ist diese Grenze fließend und schwer kontrollierbar. Die Regeln könnten leicht umgangen werden und die Frauen (und Männer) zu sexuellen Tätigkeiten genötigt werden oder die Grenze zwischen Realität und Schauspiel könnte verschwimmen, was zu eifersüchtigen und kriminellen Handlungen, seitens der Kunden, führen könnte. 

Die Debatte um mietbare Freundinnen berührt grundlegende Fragen der heutigen Gesellschaft: Wie gehen wir mit Einsamkeit um? Sollte menschliche Nähe als Ware erhältlich sein? Was bedeutet es für die Wertschätzung von echten Beziehungen, wenn Intimität zur Dienstleistung wird? Wie sicher ist es für die Frauen (und Männer), die ihre Dienste anbieten? Wäre dieser Dienst auch in Europa möglich?

Während diese Dienste manchen Menschen kurzfristig helfen können, sollte beachtet werden, dass soziale Netzwerke, Freizeitgruppen oder Therapieangebote nachhaltigere Wege darstellen, um zwischenmenschliche Schwierigkeiten zu überwinden. 

Insgesamt spiegelt das Phänomen „Rent-a-girlfriend“ in Japan einen komplexen Mix aus sozialem Wandel, wirtschaftlichen Interessen und persönlichen Bedürfnissen wider. Die Diskussion darüber wird intensiver, je mehr solche Dienstleistungen an Sichtbarkeit und Konsumenten gewinnen. 

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