Am 01. Oktober 2025 luden wir von Hope for the Future erneut zu einem Filmabend ein – gezeigt wurde, nach der Premiere im Frühjahr, abermals die Dokumentation Buying her. Warum gerade dieser Film? Weil er etwas anders macht: Er verfällt nicht in ein reißerisches Drama, das Opfer im grellen Scheinwerferlicht zeigt. Stattdessen zwingt er uns, genauer hinzusehen – auf die andere Seite. Auf Männer, die viel zu früh mit Pornografie in Kontakt kamen, in Abhängigkeit gerieten und damit zu Mittätern in einem System von Gewalt und Ausbeutung wurden. Die Frauen, die sie aufsuchten, waren nicht nur Prostituierte, sondern vielfach ebenfalls Opfer von Menschenhandel. Und das Bittere daran: Die Männer wussten es!

Buying her legt schonungslos offen, wie eng Gewalt, Missbrauch und Prostitution miteinander verwoben sind – ein System, das bis heute viel zu oft verschwiegen oder beschönigt wird. Mit diesem Film wollten wir nicht nur berühren, sondern aufrütteln. Das Ziel dahinter: das Schweigen zu brechen und das, was so gerne verdrängt wird, endlich mitten ins Zentrum der gesellschaftlichen Auseinandersetzung zu stellen. Der Film sollte nicht bloß konsumiert werden – er sollte zum Nachdenken, zum Fragen, zum Diskutieren und vor allem zum Handeln anregen.


Betroffenheit im Saal, Klarheit am Podium

Der Abend begann mit einem gemeinsamen Essen in der Meierei in Wien, das eine offene und einladende Atmosphäre schuf. Schon während dieser informellen Phase wurden erste Gespräche geführt, in denen sich zeigte, wie präsent, aber zugleich wie schwer greifbar die Themen Gewalt und Missbrauch für viele Menschen sind. Der Film Buying her knüpfte daran an und entfaltete in seiner Intensität eine Wirkung, die das Publikum sichtlich bewegte. Die Stille im Raum während der Vorführung sprach für sich: Die Zuschauerinnen und Zuschauer waren tief berührt von den Geschichten, die in bedrückender Deutlichkeit die Realität vieler betroffener Menschen widerspiegelten.
Im Anschluss an die Filmvorführung eröffnete Andrea Staudenherz, Obfrau von Hope for the Future, eine Diskussionsrunde, die von Expert:innen aus verschiedenen Fachbereichen begleitet wurde: Eine Scheidungsanwältin, ein Vertreter des staatlichen Bildungswesens, eine Vertreterin einer Organisation für schulische Aufklärungsarbeit sowie eine Sexualtherapeutin nahmen am Podium teil. Sie brachten nicht nur fundiertes Fachwissen, sondern auch anschauliche Beispiele aus ihrer beruflichen Praxis ein. Deutlich wurde dabei, wie eng die Themen Gewalt und Missbrauch mit Prostitution verflochten sind. Es zeigte sich, dass Prostitution nur in seltenen Fällen auf einer freien Entscheidung beruht. Vielmehr sind Armut, Abhängigkeiten, Traumatisierungen, ungleiche Machtverhältnisse und gesellschaftliche Strukturen ausschlaggebende Faktoren.

Besonders eindrücklich war der Hinweis der Expert:innen, dass in unserer Gesellschaft nach wie vor eine umfassende Enttabuisierung dieser Themen aussteht. Vieles werde verdrängt oder verharmlost, wodurch Betroffene oft erneut zum Schweigen gezwungen werden. Die Diskutant:innen betonten, dass es dringend notwendig sei, Prostitution nicht isoliert zu betrachten, sondern im Zusammenhang mit struktureller Gewalt und patriarchalen Machtverhältnissen zu verstehen.



Betroffenheit allein reicht nicht – es braucht Engagement
In der anschließenden offenen Diskussion meldeten sich zahlreiche Gäste zu Wort. Unterschiedliche Perspektiven trafen aufeinander: Einige berichteten von eigenen Erfahrungen im sozialen Umfeld, andere stellten kritische Fragen zu politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen. Immer wieder wurde deutlich, wie groß das Bedürfnis ist, mehr über Hintergründe, Ursachen und gesellschaftliche Dynamiken zu erfahren. Gleichzeitig wurde klar, wie schwer es vielen fällt, offen über Missbrauch, Abhängigkeit und Ausbeutung zu sprechen.
Die Gesprächsrunde verlief trotz der Schwere des Themas sehr lebhaft. Dabei wurde spürbar, dass die Teilnehmenden nicht nur intellektuell, sondern auch emotional stark involviert waren. Ein gemeinsames Fazit kristallisierte sich heraus: Der Kampf gegen Gewalt, Missbrauch und Ausbeutung darf nicht einzelnen Organisationen überlassen bleiben, sondern ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Jede und jeder ist gefragt, die Themen sichtbar zu machen, Betroffene zu unterstützen und politische Veränderungen einzufordern.

Vor Ort hatten die Gäste zudem die Gelegenheit, noch tiefer in die Arbeit von Hope for the Future einzutauchen. Besonders gut angenommen wurde die Möglichkeit, Produkte der Klient:innen zu erwerben. Die Rucksäcke und Taschen stehen dabei nicht nur für schöne Handwerkskunst, sondern spiegeln vor allem das Engagement, die Kreativität und die Freude der Klient:innen an der gemeinsamen Nähtätigkeit wider. Jede Tasche erzählt von Lernprozessen, vom Mut, Neues zu erproben, und von der Stärkung einer eigenen Arbeitsstruktur. Dass der gesamte Erlös zu 100 % wieder in die Unterstützung weiterer Menschen fließt, machte für die Teilnehmenden spürbar, wie unmittelbar ihr Engagement Wirkung entfalten kann. So wurde die Arbeit der Klient:innen greifbar, und die Gäste konnten auf eindrucksvolle Weise Teil dieser solidarischen Initiative werden.

Als der Abend zu Ende ging, war die Stimmung zugleich nachdenklich und entschlossen. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer äußerten Dankbarkeit für den Raum, den HFTF geschaffen hatte – einen Raum, in dem schwierige Fragen gestellt und verdrängte Realitäten sichtbar werden konnten. Das zentrale Gefühl, das im Raum blieb, war klar: Wir alle müssen tagtäglich dafür kämpfen, das Schweigen zu brechen und die Diskussion in die Öffentlichkeit zu tragen.
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