K-Pop begeistert weltweit Millionen von Menschen. Gruppen wie BTS, Blackpink oder Twice füllen ganze Arenen in Rekordzeit und erobern regelmäßig die internationalen Charts. Doch wie sieht es eigentlich hinter den Kulissen aus? Ist das Leben der Idole wirklich so glamourös, wie es auf den ersten Blick scheint?
Was ist K-Pop eigentlich?
K-Pop, kurz für Korean Pop bzw. Korean Popular Music, ist ein Sammelbegriff für koreanischsprachige Popmusik mit Elementen aus Hip-Hop, R&B, Techno und Electro.
Seinen Ursprung fand das Musikgenre in den frühen 1990er-Jahren in Südkorea, als die Boyband Seo Taiji And Boys 1992 bei einer Castingshow auftrat. Mit einem ungewöhnlichen Mix aus koreanischen Texten, Rap, Rock und Techno trafen sie bei der Jugend einen Nerv, auch wenn die Jury damals wenig begeistert war. Eine neue Musikrichtung war geboren.
Den internationalen Durchbruch feierte K-Pop schließlich 2012 mit dem viralen Hit „Gangnam Style“ des Rappers Psy. Der Song wurde mittlerweile (Stand: Juni 2025) 5,6 Milliarden (!) Mal auf YouTube aufgerufen und machte K-Pop erstmals über die Grenzen Asiens hinaus bekannt. Heute zählt K-Pop zu den wichtigsten globalen Popkultur-Phänomenen.

Leistungsdruck, Knebelverträge und Ausbeutung
Der Leistungsdruck in Südkorea ist enorm und beginnt oft schon in der frühen Schulzeit. Kein Wunder also, dass sich diese Mentalität auch auf die Musikbranche überträgt: Zwar träumen viele Jugendliche davon, ein K-Pop-Idol zu werden, doch das ist in der Realität alles andere als einfach. Denn bevor sie überhaupt die Möglichkeit bekommen, Teil einer Girl- oder Boyband zu werden, müssen sie mehrjährige Trainee-Programme durchlaufen. Diese beginnen meist im Alter von zehn bis elf Jahren. Immer wieder wird zudem von Knebelverträgen gesprochen, die massivst in das Privatleben der jungen Talente eingreifen. Viele Stars sind praktisch das Eigentum ihrer Agenturen.
Lee Jong-im, Expertin für Popkultur und Autorin, beschreibt in ihrem Buch „Idol Trainees’ Sweat and Tears” die Schattenseiten des K-Pop: Unter anderem berichtet sie davon, dass angehende K-Pop-Stars oft bis zu 13 Stunden am Tag trainieren, meist bis spät in die Nacht. Jeden Tag stehen neben Tanz und Gesang auch Sprachkurse auf dem Stundenplan. Die jungen Talente leben für gewöhnlich in agentureigenen Wohnheimen. Ein normales Sozialleben oder Zeit für die Schule? Kaum möglich.
Zudem sei es Standardpraxis für Agenturen, ihre anstrebenden Stars auf Diät zu halten. Euodias, die sich selbst der Ausbildung zum K-Pop-Idol unterzog, erklärt gegenüber der BBC:
„Gewicht war die ständige Besessenheit aller dort. Niemand durfte schwerer als 47 kg sein, unabhängig von Alter oder Größe.”
Beim wöchentlichen Wiegen sei der Körper der Auszubildenden von den Trainer:innen analysiert und das Gewicht im Raum vor allen anderen angekündigt worden. Bei Gewichtszunahme soll das Essen rationiert worden sein. Manchmal hätte man ihnen sogar ganze Mahlzeiten weggenommen. Die „übergewichtigen” Auszubildenden hätten lediglich Wasser bekommen. Zusätzlich sollen viele zur Schönheitsoperation gedrängt worden sein, denn „schönere” Stars ließen sich schließlich besser vermarkten.
Auch Liebesbeziehungen sollen vertraglich geregelt werden. Kim Min Syk, selbst Inhaber einer K-Pop-Agentur, sagt:
„In den Verträgen einer unserer Girlbands stand auch, dass sie keine Jungs treffen dürfen, aber es ist sehr schwer, sie daran zu hindern, denn sie werden es trotzdem versuchen. Man muss sie dann kontrollieren, das kostet viel Geld. Größere Agenturen lassen ihre Manager sogar mit denen in einem Zimmer schlafen, damit sie keinen Blödsinn machen.”
Alkohol und Zigaretten sind ebenso streng verboten.
Auch Berichte über sexuelle Ausbeutung und Machtmissbrauch schockieren die Öffentlichkeit immer wieder. 2018 etwa sorgte Lee Seok-cheol, Star der südkoreanischen Band Eastlight, für Schlagzeilen: Auf einer Pressekonferenz warf er seiner Agentur vor, ihn und andere Bandmitglieder mit Baseballschlägern und Metallschrubbern geschlagen zu haben.
Doch damit nicht genug. Finanzielle Abhängigkeit stellt ein weiteres Problem dar: Viele Idols müssen die Kosten ihrer Ausbildung zurückzahlen, sobald sie es in eine Boy- oder Girlgroup geschafft haben. Das bedeutet: Sie starten ihre Karriere bereits mit Schulden. Ein Ausstieg ist kaum möglich.
Todesfälle in der K-Pop-Szene
Der ständige Druck, ein „perfektes” Idol sein zu müssen, lastet schwer auf den Schultern vieler Künstler:innen. Hasskommentare im Internet, permanentes Beobachtetwerden und das Gefühl, niemals gut genug zu sein, hinterlassen tiefe Spuren. Immer wieder führt dies dazu, dass die koreanische Musikwelt tragische Verluste zu beklagen hat:
2017 erschütterte der Tod von Kim Jong-hyun, dem Frontmann der erfolgreichen Boyband Shinee, die Musikwelt. Er wurde nur 27 Jahre alt. Zwei Jahre später verloren auch die Sängerinnen Sulli und Goo Hara ihr Leben. Beide standen massiv unter öffentlichem Druck und waren immer wieder zur Zielscheibe von Online-Hass geworden.
2020 folgte die Nachricht über den Tod des 28-jährigen Sängers Kim Jeong-hwan, bekannt als Yohan. 2023 starb Moonbin im Alter von 25 Jahren. Im November desselben Jahres verstarb die Sängerin Kim Na-hee. Im April 2024 verstarb Park Bo-ram, mit nur 20 Jahren. Im März 2025 wurde K-Pop-Star Wheesung tot in seiner Wohnung aufgefunden.
Es gibt noch unzählige weitere junge Menschen, deren Geschichten ungehört bleiben. Fest steht jedoch: In der Szene muss sich dringend etwas ändern. Agenturen stehen in der Verantwortung, ihre Künstler:innen als Menschen zu sehen, deren Wohl weit über kommerzielle Interessen hinausgehen muss. Ob sich in den nächsten Jahren allerdings etwas ändern wird, bleibt abzuwarten.
Zögern Sie nicht, im Falle einer psychischen Krise Hilfe zu suchen:
- Telefonseelsorge: 142
- Männerinfo: 0800 400 777
- Ö3-Kummernummer: 116 123
- Polizei: 133
- Rettung: 144
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