Die nigerianische Mafia und der Menschenhandel

Von unseren Klientinnen stammt ein großer Teil aus Nigeria. Ähnlich sieht es in den Bordellen Europas aus. Der Grund sind nigerianische Verbrecher-Banden, die im großen Stil Menschen aus Nigeria nach Mitteleuropa schmuggeln und versklaven. Man spricht sogar von einer nigerianischen Mafia. Experten schätzen, dass diese Mafia jedes Jahr eine halbe Milliarde Euro allein durch den Menschenhandel einnehmen.

KLEINE ERFOLGE DER DEUTSCHEN POLIZEI

Vor wenigen Jahren bekamen die deutschen Behörden zum ersten Mal Hinweise zu der nigerianischen Mafia. Es werden derzeit diese Netzwerke analysiert. Doch das braucht viel Zeit. Italien ist da schon einen Schritt weiter. Aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung mit der italienischen Mafia nimmt die Polizei die nigerianischen Banden sehr ernst. Etwa seit der 80er Jahre sind sie in Italien aktiv und kooperieren mit den dort heimischen Clans. Damals war der Drogenhandel das Hauptgeschäft. Heute ist es Menschenhandel. Ganze Ortschaften sind in ihrer Hand. Castel Volturno im Süden Italiens gilt als Hochburg der nigerianischen Mafia in Europa.

2019 wurde in Bochum in Deutschland ein Teil eines großen Netzwerkes von Menschenhändlern aus Nigeria aufgedeckt. Verdeckte Maßnahmen und Telefonüberwachungen haben die Polizisten auf die richtige Fährte geführt. Der Ermittler sah sich jedoch auch innerhalb der Behörde lang mit Widerständen konfrontiert. Es lohne sich einfach nicht, war die Meinung einiger Kollegen. Das Problem ist die schlechte Beweislage und die Angst der Frauen vor Gericht auszusagen. Es wurde ein Netzwerk aufgedeckt, welches von Benin City in Nigeria nach Deutschland führte. Als Resultat wurden sechs Männer wegen des Menschenhandels verurteilt. Die allermeisten Personen der Ermittlungen konnten nicht sicher identifiziert und somit auch nicht angeklagt werden.

Die Banden sind sehr gut vernetzt. Das macht es für sie auch so einfach international zu agieren. Sie haben Experten für die Fälschung von Dokumenten, Kreditkarten, Flugtickets außerdem Kontakte zu Schleusern in Libyen. Die Frauen werden mit falschen Versprechungen gelockt und über Libyen nach Europa geschleust. Schon die Reise ist geprägt von Hunger, Durst, Angst und Vergewaltigung. Sie dauert ca. 4-6 Monate. In Deutschland müssen die Frauen dann ihre Schulden in der Prostitution abarbeiten. Wenn eine Frau flüchtet werden Bilder herumgeschickt und alles darauf gesetzt diese zu finden. Den Familien wird Gewalt angedroht oder zu zugefügt. Einen ausführlichen Bericht aus der Sicht einer Betroffenen findest du in unserem Blog.

DIE SCHWARZE AXT

Die schwarze Axt gilt als eine der größten und gefährlichsten Banden der nigerianischen Mafia. Sie wurde 1977 als geheime Studierendenbruderschaft gegründet. Das Ziel war der Kampf gegen die damals herrschende Diktatur. Doch schnell driftete die Bruderschaft in die Kriminalität und vor allem das Drogengeschäft ab. Heute hat die Verbrecherorganisation mehrere 10.000 Mitglieder. Sie sind in allen Bereichen der Kriminalität zu finden. Die nigerianische Polizei geht davon aus, dass alle diese Mitglieder Verbrechen begangen haben oder darauf vorbereitet werden. Jeder Anhänger werde früher oder später kriminell. Vor allem Menschenschmuggel und Menschenhandel nimmt dabei zu. Die Ermittlungen vor Ort sind sehr schwierig. Einige Bandenmitglieder haben hohe Posten in der Wirtschaft. Kriminelle und politisch Verantwortliche sind nicht immer einfach auseinander zu halten. Das Land ist von Korruption geprägt.

Die Banden haben außerdem leichtes Spiel mit den Opfern. Mehr als eine halbe Million Afrikaner haben in den letzten drei Jahren versucht auf irregulärem Weg Europa zu erreichen. Der Antrieb ist die Armut und die Hoffnung auf ein besseres Leben jenseits des Mittelmeeres.

ES IST NOCH EIN LANGER WEG ZU GEHEN

Die EU-Staaten haben es sich zum Ziel gesetzt so früh wie möglich anzugreifen, noch bevor die Banden sich in Europa etablieren können. Politisch gesehen muss eine verstärkte internationale Zusammenarbeit vor allem mit Nigeria erfolgen. Doch die Politik dort hat Jahrzehnte lang den Banden beim Wachsen zugesehen. Die Strukturen haben sich gefestigt und werden größtenteils gebilligt.

Ganz klar sind auch die europäischen Freier in der Verantwortung. Die Frauen sind auf keinen Fall freiwillig in der Prostitution und stehen unter enormen wirtschaftlichen Druck. Die Nachfrage nach immer mehr Frauen und Mädchen begünstigt natürlich die Machenschaften der Verbrecherbanden.

Wenn die afrikanischen Frauen gerettet werden können bzw. ihnen der Ausstieg gelingt, stehen sie erst ganz am Anfang im Prozess der psychischen Heilung und dem Asylprozess. Wir unterstützen die Frauen in ihrem eigenen Tempo sich zu entwickeln und sich ein selbstbestimmtes Leben aufzubauen.

Für weitere Informationen können wir die ZDF-Dokumentation „Die schwarze Axt – Nigerias Mafia“ empfehlen.

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